Bericht 4

Portsmouth, 27.6.2009

Zugegeben es ging in den letzten Tagen etwas schnell voran. Das lag aber weniger am Skipper, als vielmehr am Wetter, dass uns ein riesiges Geschenk machte. Nach dem Gegenankreuzen auf der Ostsee brachte uns eine ausgedehnte Hochdruckzone nordöstliche Winde von 4 bis 5 Bf. Tommy und Heinz brachten zum Glück genug Verpflegung mit, um einige Tage unabhängig zu sein. So ging es Montagmittag bei noch nordwestlichen Winden von Cuxhaven aus los. Der Strom war mit, der Wind erstmal gegen uns, die ersten 20 sm waren damit mühsam. Der Strom machte aus der Windsee eine hohe kurze Welle, die uns das Gefühl gab auf einem ziemlich miserablen Kopfsteinpflaster unterwegs zu sein.  Als wir an den ostfriesischen Inseln vorbei nach Südwesten abbogen wurde es aber schnell ruhiger und wir konnten segeln. Abends wurde Taras über Kanal 16 Seefunk gerufen und es meldeten sich unsere Clubkameraden Tom und Susi vom Trans-Ocean, die mit ihrem Cat auf gleichem Kurs 13 sm vor uns segelten. Am nächsten Vormittag hatten wir sie Dank unseres großen Spinnakers ein und es gab ein zwar kurzes aber freudiges Wiedersehen.
Vor Dover wurde es dann doch noch heftig, da der Nordost auf 6 in Böen 7 Bf auffrischte und wir vor dem Wind nach beiden Seiten um bis zu 40 Grad krängten.  Der neue Autopilot hatte schwer zu tun und nach zwei durchsegelten Tagen wurde die Energie langsam knapp. Einige Stunden übernahmen wir abwechselnd das Ruder. Beeindruckend sind die Anzahl und Ausmaße   der Bohrinseln die auf der Nordsee in Betrieb sind. Sie sind beleuchtet wie Weihnachtsbäume und der Lichtschein ist schon zu erkennen wenn sie noch hinterm Horizont versteckt sind.

In Dover durften wir nach vorheriger Anmeldung über Funk in den Tidenhafen einlaufen. Die Nordseestrecke Cuxhaven- Dover (rund 350 sm) war damit nach 2 Tagen und 8h Geschichte. Heinzi hatte sich einen Tag Pause verdient.  Eine SMS erreichte uns von der Besatzung der Aorai (www.aorai.eu) , sie hatten Calais querab und gehen an der Französischen Küste nach Westen, viel Glück euch und bis bald!
Dover scheint wirtschaftlich allerdings sehr unter der Einstellung diverser Fährlinien zu leiden (der Tunnel lässt grüßen). Im Hafen ist verglichen mit vor 9 Jahren als wir das letzte mal hier einen Zwischenstop einlegten, kaum noch Betrieb. Resultat ist, dass diverse Restaurants, Hotels und Geschäfte aufgegeben wurden und überall die Schilder „to let“ oder „for sale“ zu lesen sind.  Einen weiteren Tag in der Stadt, zumal bei dem noch anhaltenden NE-Wind konnten wir uns schenken. So gings nach einer ruhigen Nacht im Hafen auf zu den nächsten 110 sm nach Portsmouth. Der von der Wettervorhersage versprochene NE- Wind hielt aber nur bis nach Mitternacht an und eine große Gewitterfront brachte  die Windvorhersagen gehörig durcheinander.  Die Blitze beleuchteten die gesamte Seestrecke vor uns und waren damit sogar hilfreich beim Wache gehen. Nur der Wind drehte auf SW und wir entfernten uns sicherhalthalber einige Mailen von der Englischen Küste. Ein paar kurze aber heftige Regenschauer wuschen das Salz der letzten Seetage vom Schiff und so gingen wir frisch gewaschen vormittags vor der Isle of Wight vor Anker. In Porthmouth musste zunächst das Fundament des Autopiloten stärker mit dem Rumpf verbolzt werden. Die 3 existierenden Bolzen konnten die Kräfte nicht zuverlässig übertragen und so fing das Fundament sich nach nunmehr gut 700 sm ab Greifswald an zu bewegen. Zwei weitere Bolzen mussten gesetzt werden. Gut wenn man da ein paar 230 V Werkzeuge wie Bohrmaschine und Flex dabei hat.

Heute geht’s nun erstmal in die Stadt zum Sightseeing, hier liegt übrigens auch die berühmte HMS Victory, das Flaggschiff des ebenso berühmten Admirals Lord Nelson. Ich werde berichten wie es war!

 

Euch allen vielen Dank für die lieben Grüße im Gästebuch und lasst mal wieder was von euch hören.

Es grüßen Tommy, Heinzi und Torsten