Bericht 6

8. Juli 2009, 16.30 Uhr

Position: 44° 09´ Nord, 04° 05´ West

Seit gestern Früh sind wir auf der Biskaya unterwegs uns trennen nur noch 63 sm von unserem Landfall in Spanien.

Letzte Woche Freitag erreichten wir aber erstmal nach 160 sm quer über den Englischen Kanal Camaret Sur Mer, einen kleinen netten Vorort der ziemlich  hässlichen Stadt Brest. Hier gab´s ein Wiedersehen mit Tom und Susi, der Crew der Aorai, die wir schon auf der Nordsee getroffen haben. Abends war natürlich Party angesagt. Tommy machte sich schon seit dem Morgen ernsthafte Gedanken darüber, wie er uns alle kulinarisch beeindrucken kann. Nur soviel, er hat´s natürlich wieder mal geschafft. Susi und Tom haben das Mahl auf ihrer eigenen Webseite detailliert beschrieben. Schaut mal nach unter www.aorai.eu
Am Samstag gings dann weiter nach Lorient, auf ausdrücklichen Wunsch des Skippers. Nicht wegen der Stadt, die kann man sich getrost verkneifen. Hier gibt es aber das erste reine Seglermuseum Frankreichs. Es wurde im letzten Jahr zu Ehren des Französischen Extremseglers Eric Tabarly eröffnet. Eine seiner berühmten Segelyachten, die alle den Namen Pen Duick tragen, liegt auch dort im Hafen. Die Krönung des Museums war der Segelsimulator. Es wird die Fahrt mit einem Riesentrimaran bei ca. 20 bis 30 kn Speed simuliert. Man bekommt sogar die Gischt ins Gesicht.  Und dabei waren wir erst am Morgen nach rd. 100 sm rasender Fahrt im Hafen von Lorient eingetroffen. D.h. unsere eigene Gischt war gerade erst trocken.
Es waren ganze Elemente von Regattabooten und Tourenyachten ausgestellt die man begehen konnte. Leider war der Film über das letzte Vendee Globe Rennen auf einer Großleinwand nur in Französisch, die Bilder waren aber erste Klasse.
Auf dem Weg zum Hafen laufen wir dann noch über ein Werftgelände wo wir die Expeditionsyacht „Tara“ finden. Bekannt ist das Schiff durch einen seiner Voreigner, es gehörte bis vor einigen Jahren Herrn Sir Peter Blake und hieß „Seamaster“. Der Profisegler wurde wegen seiner Siege von der Englischen Königin geadelt und kam (ich glaube 2002) bei einem Piratenüberfall im Amazonasdelta auf eben diesem Schiff ums Leben.
Im Yachthafen von Lorient verlangte die nette Capitaneriene dann stolze 41 Euro für die Übernachtung. Ich erklärte ihr noch dass ich die Box nicht kaufen  wollte und wir legten gegen 18 Uhr ab um uns in dem großen Flussdelta irgendwo ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. An einem Schwimmponton ohne Verbindung zum Land wurden wir fündig. Er gehört wohl zu einem Verein, weggejagt wurden wir jedenfalls nicht. Da wir bei Hochwasser ankamen haben wir erstmal sorgsam die Wassertiefe gemessen und ausgerechnet ob wir 6 h später bei Niedrigwasser auch noch schwimmen werden. Wir verbrachten einen lustigen Abend im Bordkino (es gab Jonny English, mit Mister Bean)  und eine absolut ruhige Nacht.

Heinz hatte sich nach den vielen Nachtfahrten endlich mal eine kurze Tagestour gewünscht und so ging es am nächsten Tag 26 sm zur Belle Ille, der wie der Name schon sagt, schönsten  Insel der französischen Atlantikküste.  3 h mussten wir bei ziemlichem Schwell vor dem Hafen an einer Moorigtonne warten bis genug Wasser im Hafen war um einzulaufen. Im Hafen wurden dann alle vom Hafenpersonal sauber eingeparkt, so dass es ziemlich eng aber gesittet zuging. Direkt vor uns legt dann tatsächlich noch die Pen Duick II an, die wir am Tag davor im Museum als Modell anschauen konnten. Die Insel selbst ist wirklich schön und Tavernen gibt’s auch gute…..
Von hier aus sollte es dann die ca. 250 sm über die Biskaya nach Spanien gehen, allerdings wurden für den folgenden Tag 5 bis 6 Bf aus W angesagt. Von der Richtung her machbar aber die vorhergesagte mittlere Wellenhöhe 2,5 m würde uns wohl kräftig durchschütteln und eine unruhige erst Nacht bringen. So freuten wir uns schon auf einen weiteren Tag auf der Belle Ille bis unser französischer Nachbar gegen 23 Uhr meine, morgen um 6 Uhr muss der vordere Teil des Hafens geräumt werden, weil ein Tankschiff kommt.  Damit wurde dann der Hafentag gleich wieder gestrichen und es ging doch am Morgen Richtung Süden. Der erste Tag und die erste Nacht waren dann auch wie vermutet recht heftig, unter gerefftem Großsegel und gereffter Genua ging es bei bis zu 30 kn Wind zwar flott aber ziemlich holperig voran. Zu allem Überfluss verabschiedete sich dann auch noch der Autopilot, so dass Heinz Ruder und ich auf Fehlersuche gehen musste. Der  Fehler war dann auch schnell gefunden, der Linearantrieb des Autopiloten war nicht mehr mit dem Ruderquadranten verbunden. Der Kugelkopf hatte sich (warum auch immer) aus dem Antrieb gedreht. Die „Operation am offenen Herzen“ war dann auch recht tricky, denn das Ruder konnte bei 6 Windstärken ja mal nicht eben festgestellt werden. Aber nach einer Stunde war die Autopilot wieder klar und meine Finger waren auch noch alle dran.
Heute früh wurde es dann moderater und wir konnten unter Vollzeug gute Fahrt machen. Allerdings segelten wir auch mitten in ein Hochdruckgebiet rein und es kam wie es kommen musste: Seit 3 Stunden ist der Wind weg, die Segel schlagen in der Atlantikdünung und die 50 Pferdestärken des Volvo Penta werden wohl die restlichen 60 sm erledigen müssen. Endlich lässt sich eine Delfinschule in unserer Nähe blicken, das ist das erste Mal seit dem Start auf der Nordsee.
Unter Motor ist wenigsten genug Strom da, um den Wassermacher (Meerwasserentsalzung) (das erste Mal) in Betrieb zu nehmen. Der erste 10 Liter Kanister ist schon voll und es ist tatsächlich recht brauchbares Trinkwasser entstanden.

Na dann Prost!