Bericht 7

15. Juli 2009,

Ribadeo Nordspanien (Galizien)

Wieder ist eine Woche verstrichen und wir liegen seit 2 Tagen im verabredeten Hafen für den Crewwechsel. In der letzten Woche ging´s dann auch recht gemächlich zu.
Nach einer Kursänderung auf der Biskaya Richtung Südwest ging es dann doch nicht nach Santander sondern in den kleinen Fischerort Lastres, der ca. 60 sm näher an unserem Zielhafen Ribadeo liegt. Die zusätzlichen 30 sm bedeuteten zwar noch eine Nacht dran zuhängen, aber ich versprach Heinzi hoch und heilig, dass das dann auch die letzte Nacht auf See war. Immerhin hatten wir in den 2 ½ Wochen bis hierher 8 Nächte segelnder Weise verbracht. So summierte sich die Biskayastrecke doch auf rd. 270 sm.
Lastres war zum Glück ein Volltreffer für uns. Kostenfrei durften wir 2 Tage an einem bequemen Schwimmsteg festmachen. Tommy legte eine weitere Joggingrunde ein und ich konnte endlich mal wieder Fahrradfahren. Ich radelte nach Colunga um Bericht Nr. 6 ins Internet zu schießen. Heinzi kaufte leckeren Fisch (wir hatten wieder mal nichts an der Angel!) und abends landeten die spanischen Makrelen auf dem Grill.
Endlich konnten wir auch die Weinvorräte ergänzen. Die Literflasche Weißwein für rd. einen Euro, da schwimmt der Fisch gleich viel besser.
Weiter ging es nach Gijon, der größten Stadt an der Küste Asturiens. Auf dem Weg dorthin gab uns Neptun endlich mal was ab und wir zogen 3 kleine Makrelen aus dem Wasser. Gijon machte auf den ersten Blick einen schrecklich industriellen Eindruck. Öl- und Gastanks und ein Chemiewerk in Sichtweite sind nicht wirklich erbaulich, ich wäre am liebsten weitergesegelt. Das wir es nicht taten war ein Glück, wäre uns doch ein lustiger Abend entgangen. Es war Samstag und Gijon scheint so was wie Ibiza-City des Nordens zu sein. Hier steppt der Bär, wie der Berliner zu sagen pflegt. Nachdem wir unsere Fischlein verspeist und ich die beiden älteren Herren davon überzeugt hatte, dass das Nachtleben hier bestimmt spannend ist, ging es in die Altstadt. Jung und Alt trinken hier vor allem SIDRA, einen gärigen Apfelsaft mit 6% Alkohol. Kalt getrunken ist er für meine Begriffe halbwegs genießbar. Viel spannender aber ist der Kult des Eingießens dabei. Die Männer hinter der Bar strecken die Flasche über den Kopf in die Höhe und halten den Becher gleichzeitig in Höhe des Oberschenkels. Den Blick starr geradeaus wird nun aus rund 1 ½ m Höhe versucht das Glas zu treffen, was erstaunlich gut gelingt. Begeistert von dem Spektakel bestellen wir auch 3 Gläser SIDRA und bekommen prompt 3 große Flaschen mit entsprechend gefüllten Gläsern dazu. Etwas irritiert fangen wir an zu trinken, schnell füllt der Barmann die Gläser wie beschrieben wieder auf. So langsam bekommt man das Gefühl, dass der Fußboden der Kneipe gleichmäßig mit SIDRA bedeckt wird, denn nun gießen sich die Gäste ihre Flaschen gegenseitig ein, natürlich nicht mit der professionellen Zielsicherheit der Personals. Wir schnappen uns unsere restlichen Flaschen und suchen uns ein Plätzchen im Freien. Hier wird auch fleißig gegossen und getrunken, nur kann das was daneben geht besser in den Rinnstein ablaufen.
Einen Tag später verlassen wir die teure Marina von Gijon und segeln nach Luarca. Im Vorhafen sind für Yachten Muringtonnen ausgelegt. Mit langen Vorleinen machen wir uns an der Mole fest. So liegen wir relativ geschützt, nur die Wassertiefe gibt mir zu denken. Nach meinen Berechnungen sollte der Wasserspiegel bei Niedrigwasser nicht unter 3m fallen. Morgens um 2 werde ich durch den Flachwasseralarm des Echolotes geweckt. Noch ein Meter unterm Kiel (d.h. 2,80m Wassertiefe) Tendenz fallend. Zwei Stunden verbringe ich damit die genaue Tiefe mit einem Handlot zu messen und Vorkehrungen für das Verlassen des Liegeplatzes zu treffen. Bei 70 cm unterm Kiel ist Niedrigwasser erreicht und da wir zum Glück kaum Schwell im Hafen haben, entscheide ich mich zum bleiben und falle gegen 4.30 Uhr hundemüde in die Koje. Morgens kriecht meine Crew ausgeschlafen aus ihren Kojen und wundert sich über mein müdes Gesicht. Zu allem Überfluss meldet sich der Wasseralarm aus der Bilge, sie hat rund 20cm Wasser drin. Hastig koste ich davon, zum Glück Frischwasser, also vom Wassertank und nicht aus der Biskaya. Das Problem muss warten bis Ribadeo.
Am 13.7. haben wir unser Etappenziel Ribadeo dann erreicht. Von Greifswald bis hierher loggten wir 1500 sm. Ab Greifswald waren wir ziemlich genau einen Monat unterwegs, jetzt können wir langsam vom Gas gehen, der nächste Crewwechsel ist erst für 2010 geplant.
Heinzi kocht uns eine herrliche Fischsuppe, Tommy hat also mal frei. Heute Abend gibt es Thunfischsteaks, da dürfen die beiden Köche noch mal zeigen was sie können. Zum Glück ist keine Personenwaage an Bord!

Morgen bringe ich Heinzi und Tommy zum Flieger und hole gleich Katrin und Julius ab. Falk wird am Freitag erwartet, dann kann die nächste Etappe bis zur Algarve beginnen.

Torsten