Bericht 10

11.August 2009

Standort: ca. 30 sm südlich Lissabon

Lissabon haben wir heute morgen verlassen, es war aufregend, laut und heiß! Momentan laufen wieder unter Spinacker und Groß, immer gut 7 Knoten, das schafft. Überhaupt gefällt uns das rote 115 m² große Tuch von Tag zu Tag besser, denn fast jede Tour zieht es uns brav Richtung Süden und das Schiff läuft auch bei 7 kn Fahrt ruhig unter Autopilot. Katrin schläft im Salon und die Kinder sitzen in der Plicht unter dem Bimini und sollen nach Fischernetzen Ausguck halten, die sind hier entlang der Küste in rauen Mengen anzutreffen und dass obwohl wir momentan Wassertiefen von über 500 Metern haben.

Vorher ging es aber von Porto aus erstmal nach Figuera de Foz, einer kleinen Stadt mit einem super Strand. Aus Porto kamen wir erst Mittags  weg. Unsere  Wäsche musste noch angeliefert werden. Damit war klar, das wir die gut 70 sm nicht mehr bei Tageslicht absegeln konnten. Bis auf eine Barre direkt vor der Einfahrt sollte die Ansteuerung von Figuera de Foz aber keine Probleme bereiten. Zum Glück hatte ich mir den aktuellen Reeds Nautical Almanac geleistet der jährlich neu erscheint und in dem alle wichtigen Häfen von Kiel bis Gibraltar beschrieben und abgebildet sind.
Die Hafeneinfahrt war durch das Lichtermeer der Stadt wieder mal kaum auszumachen.  Als wir 2 sm vor der Einfahrt waren fehlte immer noch das rote Molenfeuer, statt dessen standen riesige Scheinwerfer an einer Stelle an der normalerweise Wasser sein sollte. Zuerst nahmen wir an, dass es sich um Sardellenfischer handelt die ihre Opfer ja bekanntlich mit Scheinwerfern anlocken. Dann entpuppten sich die Fischer plötzlich als Bagger, die auf einer Steinmole standen. Beim runden der Backbordmole war diese dann auch bereits 300 m länger als in unseren Karten und Handbüchern verzeichnet. Das rote Molenfeuer war nur eine Behelfsbeleuchtung und hinter einem der beiden Bagger versteckt. Später erfuhren wir, dass die Mole insgesamt 450 m lang wird und wegen des roten Molenfeuers hätte man sich auch schon beschwert, wie es aussieht hat´s aber nicht geholfen.  Die Yachthafen fanden wir problemlos und wir wurden sogar noch von den Offiziellen der Stadt in Empfang genommen, so dass wir einklarieren konnten.
Am Tag darauf hatte ich Geburtstag und wir gönnten uns einen Hafentag. Der Strand wie gesagt ist der Hammer. Er ist ungefähr 200 bis 300 Meter breit!  Man läuft von der Straße aus auf Holzstegen über den hellen Sand bis zum Wasser damit es nicht zu anstrengend wird. Die letzten Meter fallen relativ steil ins Wasser und es donnert die Atlantikdünung mit voller Kraft dagegen. Im Wasser war kaum einer, wohl wegen der Brandung. Bei hoher Welle ist das Baden hier nicht ganz ungefährlich, aber wer Wellen mag hat Spaß ohne Ende. Wir hatten kein Badezeug mit so testeten wir aus, wer sich von uns Männern am   weitesten ans Wasser traut ohne nass zu werden. Nach einer Stunde Spaß gingen wir alle 3 mit nassen Hosen Richtung Schiff. Abends durfte ich meine Crew dann zum Captains-Dinner ausführen.

Weiter gings nach Peniche, unserm letzten Zwischenstop vor Lissabon. Auf der Überfahrt sichten wir das erste Mal Delfine, sie kommen ans Boot und begleiten uns ca. 20 min. Abwechselnd gehen wir aufs Vordeck und beobachten die Tiere direkt vor dem Bug. Julius versucht sie zu berühren aber es fehlt immer ein halber Meter. Die Crew ist absolut begeistert.
 Der Liegeplatz an der Aussenseite der kleinen Marina ist eher bescheiden und wir ärgern uns nicht vor dem Hafen geankert zu haben, allerdings hätten man dort wohl auch nicht ruhiger gelegen.
Wir lernen hier Karsten und Mercedes kennen, sie sind mit ihrer Westerly „forty-two“ auf Weltumseglung und wir werden sie bestimmt noch öfter treffen. Abends gehen wir zu zweit noch in die Stadt, die Jungs sind in irgend ein Computerspiel abgetaucht, da wir Landanschluss und damit 230V an Bord haben. Kurz darauf sitzen wir in einem typisch portugiesischen Restaurant und es wird uns ohne zu fragen ein leckerer Oktopussalat kredenzt. Wir bestellen dann noch eine Portion gebratenen Schwertfisch und einmal geschmorte Kalmare. Eigentlich war es ein Wunder dass wir nicht geplatzt sind. Es war aber absolut lecker und 35 Euro ist ein anständiger Preis dafür.
Nach Lissabon soll es laut Wettervorhersage schnell gehen. 5-6 Bf aus Nord und 2,5 Meter Welle im Mittel. Der Spi wird erstmal verstaut. Draußen flaut es aber schnell ab und wir dürfen die rote Blase wieder rausholen. Abends erreichten wir dann die Tejomündung und nun bläßt es tatsächlich mit bis zu 30 kn aus Nord. Da die Tide für den Tejo nicht passt gehen wir vor Cascais (einem Vorort an der Küste) ineine geschützte Ankerbucht und am Tag darauf in das Alcantara-Dock unweit des Stadtzentrums. Das Dock wird von einem Container- und Passagierschiff Terminal begrenzt, daher ist es hier nicht ganz leise aber auch nicht nervig. Die riesige Tejobrücke, die „Ponte de 25 de Abril“ (Tag der Nelkenrevolution in Portugal, Befreiung von der Diktatur) ist nur einige Hundert Meter von uns entfernt und es hört sich an wie ein riesiger Bienenschwarm wenn die Autos drüber fahren.
In die Stadt gehts mit dem Bus, der Straßenbahn oder der S-Bahn. Von Alcantara aus fährt fast alles Richtung Innenstadt und das für 80 Cent pro Fahrt, tja liebe BVG und jetzt du!

Zuerst stehen natürlich das Stadtzentrum mit dem Placa de Comerco und die Alfama (die Altstadt) auf dem Programm.  Falk zeigt uns das hiesige Hardrock-Cafe, was ihn bei seinem letzten Besuch so begeistert hat. Immerhin hängt hier auch ein ausgewachsener Cadillac verkehrt rum an der Decke. Wo wir schon mal da sind geht’s auch noch zum Castello de Sao Jorge. Der Aufstieg wird mit einer phantastischen Aussicht belohnt. Einen Tag später besichtigen wir den Stadtteil Belem mit den Fahrrädern. Hier stehen die Wahrzeichen die man vom Tejo aus sieht, das Torre de Belem (ein Wehr und Leichtturm aus dem 14 Jhd. und das Denkmal der Entdeckungen auf dem neben Heinrich dem Seefahrer auch Vasco da Gama und andere Seehelden vergangener Epochen abgebildet sind. Ein gewisser C. Kolumbus fehlt hier allerdings, der Portugiese kehrte seinem Land ja bekanntlich den Rücken nachdem der König ihm die Entdeckungsfahrten nicht finanzieren wollte. Einen Abstecher machen wir zur Kirche Santa Maria, abgesehen vom beeindruckenden Bauwerk, ist hier u.a. der Sarkophag mit den Überresten des berühmten Vasco da Gama zu finden. Der Entdecker des östlichen Seeweges nach Indien kehrte 1499 mit einer Schiffsladung voller teurer indischer Gewürze von seiner Mission zurück. Als Dank für seine erfolgreiche Rückkehr ließ der portugiesische König daraufhin ein Kloster direkt neben der Kirche erbauen.
Zum Abschluss des Tages geht’s natürlich noch in Seefahrtsmuseum. Hier können die Entdeckungsfahrten der o.g. Helden genaustens nachverfolgt und deren Schiffe als Modelle bewundert werden.  Die Entdeckungsreise des Herrn Kolumbus von 1492 ist hier auch dargestellt. Interessant ist, dass er den gleichen Weg genommen hat, den auch wir nach Amerika nehmen wollen. Wir werden also auf Kolumbus´ Spuren segeln wenn alles so kommt wie es geplant ist. Abends haben wir noch immer nicht genug Katrin und ich fahren noch mal mit der Electrica Nr. 28 in die Alfama. Die Straßenbahn ist ungefähr 80 Jahre alt und würde bei uns mit Sicherheit im Museum stehen. Hier wird sie von einem Jungen Fahrer über die alten Gleise gejagt, so dass einem himmelangst wird. Teilweise geht es im Abstand von wenigen handbreit an den alten Hausecken vorbei. Kein Wunder das die Nr. 28 in jedem Reiseführer erwähnt wird. In der Altstadt setzen wir uns kurz entschlossen in ein kleines Restaurant weil davor an 2 Tischen kleine Schnecken gerade verspeist werden. Das müssen wir auch probieren. Mutig bestellen wir eine Portion der sehr kleinen Caracoi Schnecken (keine Gewähr für die Rechtschreibung). Mit einem Holzzahnstocher wird das Tier aus seinem Haus gezogen und komplett mit noch aufgestellten Fühlern verspeist. Wenn die Köpfe weit genug herausgucken, kann man die Viecher auch gleich mit dem Mund aus dem Schneckenhaus saugen. Eklig? Fanden wir auch aber schmeckt wirklich gut. Es dauert auch nicht lange und ein deutsches Touristenehepaar sieht uns mit einer Mischung aus Interesse und Ekel an. Als wir bestätigen, dass es schmeckt schüttelt er nur den Kopf.

ämlich keine Lust auf Großeinkauf, Ölwechsel oder Reinschiff. Auch das Verdeck fürs Dinghi muss noch geändert werden, damit es damit in die Davids gehängt werden kann. Zum Schluss bauen Katrin und ich noch das Bimini auf. Dann kommen die Kinder zurück und alles ist fertig, bis auf das Abendessen. Aber jetzt müssen sie ran, Kartoffeln schälen, Spinat kochen und den Grill aufbauen damit der Thunfisch pünktlich fertig wird. Abends schauen wir uns noch die Bilder aus dem Ozeaneum an die Falk gemacht hat und fallen tot müde in die Kojen.