Bericht 11

23. August 2009

Alcoutim am Rio Guadiana, Grenzfluss zu Spanien (Algarve)

Nun wird’s mal wieder Zeit was aufzuschreiben, mein letzter Bericht ist immerhin schon fast 2 Wochen alt. Allerdings ist es bei der hier herrschenden Hitze auch nicht ganz so beschaulich am PC zu sitzen. Wir haben momentan 37 Grad in der Kajüte. Aber wir wollen uns nicht beschweren, immerhin wurden wir vor der Hitze gewarnt als wir beim letzten abendlichen Seglertreff meinten den Grenzfluss ein paar Kilometer in Landesinnere fahren zu wollen. Aber wer weiß wann wir hier wieder mal vorbei kommen. Jetzt liegen wir rund 40 km entfernt von der Atlantikküste vor Anker im Rio Guadiana direkt zwischen dem Portugiesischen Ort Alcoutim und dem Spanischen Ort  Sanlucar. Beide Orte sind mit Festungen ausgestattet und glaubt man den Reiseführern hat es in der Historie wohl reichlich Scharmützel zwischen den Spaniern und den Portugiesen gegeben. Auch geht es hier wieder mal sehr international zu, hinter uns ankert ein Ami und vor uns ein Kiwi. Der Rest kommt irgendwo aus Europa. Erstaunlich viele Deutsche Yachten haben wir auch auf dem Fluss getroffen. Die meisten lagen aber unbewohnt vor Anker, preiswerter geht’s halt nicht.

Seit Lissabon ist aber auch noch einiges passiert. Von Lissabon aus ging es nach Sines dem Geburtsort von Vasco da Gama. Von hier aus waren es dann nur noch 50 sm zum berühmten Cabo Sao Vicente, dem Südwestlichsten Kap Europas. Bei sehr guter Sicht konnten wir recht brauchbare Fotos schießen. Am Leutturm wimmelte es nur so von Touristen und da wir recht Nahe am Kap waren dienten wir wohl etlichen der Ausflügler als Fotomotiv. Direkt hinter dem Kap liegt eine nach Norden geschützte Ankerbucht mit schönem Badestrand. Der Schwell war zwar nicht ganz ohne und wir wurden etwas durchgeschaukelt, aber dafür waren wir in der zweiten Nacht dort die einzigen in der Bucht. Katrin und ich machten einen Ausflug zum 2,5 km entfernten Leuchtturm um auch mal runter zuschauen. Ungefähr 500m vor dem Turm gerieten wir aber in dichtesten Seenebel und die Aussicht war dahin. Zum Glück ging uns das am Tag davor nicht so, als wir dran vorbei segelten.  Dafür haben wir eine Bratwurstbude entdeckt mit dem Namen: „Die letzte Bratwurst vor Amerika“. 
Weiter gings vorbei an Lagos nach Portimao, hier kann im Vorhafen geankert werden und so entgingen wir den horrenden Liegegebühren an der Felsalgave die sich auf ca. 5 Euro pro lfdn. Meter  Bootslänge belaufen. Der Supermarkt liegt rund 2 sm stromaufwärts und da das Bier alle war und Falk in 2 Tagen Geburtstag hat muss sich der Skipper der Sache wohl annehmen. Weil´s schneller geht fahre ich allein einkaufen. Das Gummiboot beschleunigt mich mit den 6 PS auf gut 12 kn und so brauche ich für die Strecke keine 10 Minuten. Später geht’s noch an den Strand, denn Portimao selbst hat uns recht wenig zu bieten. 2 Tage später erreichen wir Faro, das anvisierte Ziel unserer Etappe die wir zusammen mit Falki segeln wollten. Von hier aus wird in 3 Tagen sein Flug zurück nach Deutschland gehen. Vorher ankern wir aber noch nördlich der Insel Culatra und gönnen uns an Falkis Geburtstag den besten Badespaß seit Beginn der Reise. Eine kräftige Atlantikdünung kracht hier an den schönen Badestrand und es ist ein wahres Vergnügen hier im endlich warmen Atlantikwasser zu baden. Einige Brecher reißen uns glatt die Beine weg und der Strandsand verfängt sich nicht nur in der Badehose. Abends führt uns Falk in eines der vielen Restaurants der Insel die mit anständigem Essen und humanen Preisen aufwarten.  
In Olaho, dem Nachbarort von Faro organisieren wir am Tag vor seinem Abflug ein Taxi und gönnen uns noch einen Stadtbummel. Der Abschied fällt uns allen sehr schwer, weil wir wissen, dass wir uns in diesem Jahr nicht mehr wieder sehen werden. Es war toll für 4 Wochen noch mal mit der ganzen Familie zusammen zu sein.
Zu dritt bleiben wir noch einige Tage vor der Insel Culatra vor Anker. Mit dem Zug geht es für einige Stunden nach Faro um die berühmte Knochenkapelle zu bewundern die im Mittelalter von Mönchen angelegt wurde.
Vorgestern sollte es dann weiter Richtung Osten. Die Tide stimmte, nur beim Ankerauf gehen gab´s ein Problem, die Ankerwinde lief kurz an und verstummte dann. Die Fehlersuche dauerte zum Glück nur 20 min, ein elektrischer Anschluss war unter der eigentlich sorgfältigen Isolierung korrodiert.  Ich hätte nämlich keine große Lust verspürt die 40m Kette (10mm) und den 20 kg schweren Bügelanker im Handbetrieb hoch zuholen.

Vorerst haben wir nun keine Termine mehr. Ob wir nun noch im September oder erst im Oktober auf den Kanaren eintreffen, machen wir vom Wetter und davon abhängig wie es uns in den vielen Orten gefällt die wir noch zwischendurch besuchen werden.
Uns so gings eben gestern den Rio Guadiana flussaufwärts nachdem wir uns im Grenzort „Vila Real de Santo Antonio“ (Passt bestimmt in keinen Reisepass) gut verproviantieren konnten. Hier gibt es nämlich einen Lidl und eine Intermarche in relativer Hafennähe.
Jetzt ist es 18 Uhr und die Temperaturen werden in der Sonne langsam erträglich, d.h. also auf geht’s zum Landgang erst nach Portugal und dann nach Spanien.

24.8.09
Erstaunlich ist, dass es in der 100 Seelen-Gemeinde auf der portugisischen Seite sogar einen Internetpoint gibt. Na da werde ich gleich mal meinen Bericht abschicken und nebenbei noch ein, zwei frischgezapfte Biere für einen Euro pro Glas trinken. Die Sporteinlage haben wir übrigens schon weg. Heute Mittag haben wir in sengender Hitze die Festung auf der spanischen Seite erklommen. Die Ruine steht dort einsam auf dem Berg (oder war’s nur ein Hügel? Tommy, ich hab nicht nachgemessen!). Der Ausblick jedenfalls war grandios.
Auf dem weg zum Schiff haben wir dann noch am Flussufer einiges geerntet was dort wild vor sich in wächst: Weintrauben, Mandeln und Granatäpfel. Die Oliven waren leider noch nicht reif.

Es grüßt euch eure nun reduzierte

Taras-Crew