Bericht 12

Montag 31.August 2009

Spanien, Cadiz, Puerto America

Hallo Freunde, wir  liegen seit nunmehr 4 Tagen in Cadiz und warten auf ein Ersatzteil, es soll wohl heute oder morgen hier eintreffen. Was für ein Teil? Gemach, erzähle ich euch gleich.

Den Rio Guadiana sind wir jedenfalls mit Rauschefahrt wieder Richtung Atlantik gesegelt. Wind und Strom waren mit uns und so ankerten wir noch eine Nacht vor Ayamonte, der Spanischen Seite des Grenzflusses. Die Nacht und der Morgen wurden allerdings sehr ruppig, weil es auf 5 bis 6 Bf aufgefrischt hatte und die kurzen steilen Wellen des Flusses mächtig an der Ankerkette zerrten. Nach einem Blitzfrühstück sollte es Anker auf und  25 sm weiter gehen. Die Ankerwinde lief gut an und machte dann aber zunehmend schlapp. Noch einige Umdrehungen und trotz Entlastung der Kette gab die Winde ihren letzten Schnaufer von sich um dann endgültig zu verstummen. Dann war das Problem wohl doch nicht nur auf die Korrosion der Anschlüsse zurückzuführen, oder? Zur Fehlersuche war keine Zeit wir wollten raus aus dem Fluss. Dann also doch Handbetrieb.  Nach 10 Minuten schweißtreibender Zottelei war der Haken endlich oben und mein Rücken ziemlich krumm. Aber wir konnten auslaufen. Die erneute Fehlersuche begann dann auch gleich nach dem Segelsetzen. Diesmal schien sich der Elektromotor verabschiedet zu haben. Also den Motor ausbauen. Wir liefen unter Spinacker und Autopilot einen recht stabilen Kurs und so konnte ich kopfüber halb im Ankerkasten verschwinden um das rostige Motorchen von der Ankerwinde zu trennen. Als der Motor draußen war, fiel mir auch gleich eine Kohlebürste samt Halter in Form eines Rostklumpens entgegen. Das Alugehäuse fing auch schon an sich aufzulösen.  Das war`s dann wohl! Hauptsache man bekommt so ein Teil noch für eine 25 Jahre alte Winde. Dummerweise sind weder am Motor noch an der Winde irgendwelche Hinweise auf den Typ zu finden. Das kann ja spannend werden. Neuer Kurs ist jetzt das 65 sm entfernte Cadiz, da sollten doch wohl entsprechende Ausrüster zu finden sein. In Cadiz ist mein erster Gang dann auch zum Yachtausrüster am Hafen. Natürlich spricht hier niemand englisch. Die Wichtigsten Motormaße lege ich auf den Tisch und nach langen Erklärungen wird ein Fax zum Großhändler gesandt. Einen Tag später kommt dann auch schon die Antwort. Die Ankerwinde heißt AIRON von der Firma Lofrans, der Motor kann in Italien bezogen werden. Bestellzeit ca. 3 Wochen, Angaben ohne Garantie. Na so ein Elend. Zwischenzeitlich hatte ich schon mit meinem Segelfreund Otti Kontakt aufgenommen. Tja, bei der Firma SVB in Bremen gibt’s den Motor auch, ist aber nicht verfügbar: Lieferung nicht vor Ende September! Toll! Nachmittags ruft Otti noch mal an, „Ich hab einen Motor für dich. Die haben bei SVB einem Motor aus einer Ankerwinde ausgebaut und wollen ihn dir schicken“. Ist ja super! Danke für die Hilfe Otti! Der Motor verlässt noch Freitag Nachmittag Bremen mit DHL Express und soll am Samstag in Cadiz sein. Nun, das wage ich dann doch zu bezweifeln und wir richten uns innerlich auf Montag ein. Samstag kam natürlich nichts an. Am Sonntag nutzen wir den zustellfreien Tag und fahren mit dem Bus vom 30 Grad warmen Cadiz in das 40 Grad heiße Sevilla. Die Stadt ist eine Strapaze wert. Uns bleiben netto zwar nur 7 Stunden aber für einen ersten Eindruck reicht´s. Zuerst ist ein Besuch der Kathedrale an der Reihe. Es soll die Drittgrößte ihrer Art sein und sogar das größte gotische  Gotteshaus der Welt. Mit einer Grundfläche von 160 x 140 Meter ist das auch gut zu glauben. Allein am Hauptaltar wurde 80 Jahre gebaut. Für uns als Segler ist natürlich am interessantesten, dass hier die sterblichen Überreste von Christoph Kolumbus in einem großen Denkmal untergebracht sind. Kolumbus startete seine Reisen zwar nicht direkt von hier aus, hier in Sevilla wurden aber einige seiner Entdeckungsfahrten geplant.
Natürlich ging es auch noch auf den Giralda-Turm, der zur Kathedrale gehört. Er wurde im 12 Jhd. als Minarett der dortigen Moschee gebaut. Nach der Rückeroberung durch die Christen wurde der Turm umgebaut und diente fortan als Glockenturm der Kathedrale.

Nach einer kurzen Kaffeepause ging es noch in den Alcazar Palast. Er ist sicherlich das beeindruckendste Bauwerk Sevillas und man hätte allein hierfür einen ganzen Tag einplanen sollen. Der Bau dieses Festungspalastes wurde von Al Ramán II im Jahre 913 angeordnet. In den folgenden Jahrhunderten diente er als Residenz für viele Monarchengenerationen. Heutzutage ist er die Residenz Seiner Majestät dem König Juan Carlos wenn er in Sevilla zu Besuch ist. Umgeben ist der Palast von traumhaft schönen Gärten und Parkanlagen, die sich zudem im hervorragendem Zustand befinden. Einziger Wermutstropfen war tatsächlich die irre Hitze. Bei Wind hatte man das Gefühl, unter einem Haartrockner zu stehen. Wir waren nun doch froh, nicht mit dem Boot nach Sevilla gefahren zu sein. So konnten wir der Hitze abends um 20 Uhr mit dem Einstig in den klimatisierten Bus entkommen. Tja und heute am Montag ging es bei Julius natürlich mit der Schule weiter. Seit etwa einer Woche wird fast täglich Unterricht gemacht und wenn der Delinquent sein Pensum schafft hat er am Wochenende frei. Soeben erfahre ich, dass unser Paket in Sevilla liegt, na fein dann hätten wir es ja gestern fast mitbringen können, ein Hoch auf DHL und seinen Expressservice, ich glaube es waren 24h vereinbart!   Dienstag 1.September 2009

Heute morgen ruft mich Otti an und meint laut DHL wurde das Paket gestern Abend gegen 18 Uhr ausgeliefert. Da es bei mir nicht ist wird es wohl irgendwo gelandet sein. Also auf zum Hafenbüro. Dort schüttelt man -wie seit 2 Tagen- wieder nur den Kopf, kein Paket da! Gut erst mal frühstücken und die Servicehotline von DHL anrufen (ein 0180 Nummer, das macht von Spanien doppelt so viel Spaß, vor allem die Warteschleife). Ja wir kümmern uns drum und melden uns dann bei Ihnen.
Rumsitzen kommt bei mir jetzt nicht in Frage. Auf zur Paketsuche. Zuerst zum Ausrüster, der bekommt schließlich viele Pakete. Auch Fehlanzeige. Langsam werde ich richtig sauer. Bleibt noch der Segelverein ein Stückchen weiter und die Station der Wasserpolizei. Juans Hafenkneipe hatte gestern Ruhetag. Die Polizei meint Pakete kommen nur im Hafenbüro oder beim Ausrüster an! Das wird ja immer blöder. Bevor ich zum Segelverein gehe sehe ich noch einen Miniladen, die hiesige Vertretung für Janneau-Yachten. Eine junge Dame sagt mir doch tatsächlich sie hätte ein Paket entgegengenommen, selbiges wäre jetzt aber im Hafenbüro gelandet. Also wieder zum Hafenbüro. Paket? Nein keins da! Wie bitte? Das kann  jetzt aber nicht war sein, ich bin kurz davor den Marinero über den Schreibtisch zu ziehen. Dann kommt ein Anruf und der Marinero  sagt mir, dass das Paket jetzt auf dem Weg hier her sei. (Wahrscheinlich war es noch in der Kneipe!) Nach 2 Stunden Suche bekomme ich es endlich ausgehändigt. Der 24 h Service hat dann auch nur 4 Tage gedauert. Übrigens auf dem Paketschein stand nicht nur der Bootsname sondern auch die Nummer des Pontons und die Box in der wir liegen. Der kürzeste Weg von der Straße war allerdings die Janneau-Vertretung, vielleicht lag es daran.

Paket aufreißen und freuen: Es ist der richtige Motor und alle Maße stimmen. Bis Katrin mein schau mal da ist doch ein Riss im Gehäuse. Zum Glück ist es nur die Kunstoffabdeckung der Kohlebürsten, das lässt sich reparieren. Da ist das Paket scheinbar ein Stückchen geflogen und hart gelandet. 3 Stunden später ist der Schaden behoben und der Motor eingebaut. Die Ankerwinde summt wieder und ich bin zufrieden. Da ruft die DHL Hotline an und fragt ob das Paket zwischenzeitlich aufgetaucht sein. Jawohl, aber ich habe da noch einen Transportschaden zu melden. Nun für die Unannehmlichkeiten entschuldigt sich der Mann. Wegen des Transportschadens müsse ich aber mit dem Paket zur nächsten spanischen DHL-Vertretung fahren und dort ein Schadensformular ausfüllen.  Ich glaub die spinnen wirklich bei DHL. Im Internet finde ich in einem Forum noch den süffisanten Hinweis: Wenn in Spanien was pünktlich ankommen soll, dann bitte nur mit UPS! Nun gut man lernt dazu. Gemessen an meinen horrenden Telefonkosten und den längeren Liegegebühren ist der Preisunterschied zu UPS gleich Null. Aber die Herren von SVB wussten es ja besser! Trotzdem vielen Dank an SVB ihr habt gut geholfen. Und Dank vor allem an Otti, sonst würde ich immer noch mit der Hand die Kette ziehen müssen! So jetzt können wir endlich Pläne für die nächsten Tage schmieden. Wir wollen ja noch nach Gibraltar und in die Berge zu den weißen Dörfern, also erstmal zur Autovermietung.  

Wir hören voneinander!  

Eure Taras-Crew