Bericht 13

8. September 2009

Rio Sancti Petri, (ca. 15 sm südlich Cadiz)

Wieder ist eine Woche vergangen und ich habe momentan tatsächlich mal wieder Zeit was aufzuschreiben. Starkwind hat uns hier im Fluss ohnehin festgenagelt, dazu aber gleich mehr.

Entspannt, wegen der erfolgreichen Reparatur der Ankerwinde gings am letzten Mittwoch (2.9.09) in die Berge, genauer in die Sierra de Grazalema. Neben dem tollen Ausblick hat es mir nach 2 ½ Monaten Abstinenz  wirklich wieder mal Spaß gemacht Auto zu fahren. Der kleine Polo von Europcar war auch ziemlich neu und als alter VW Fahrer fühlte ich mich gleich wie im eigenen Auto. Die Straßen sind hier meist zu Autobahnen ausgebaut und so kommt man recht flott voran.  Am interessantesten von den 3 besuchten Dörfern war Ronda. Hier steht eine bekannte Stierkampfarena. Leider waren wir wieder mal zu früh da. Die Kämpfe begannen erst 2 Tage später und so blieb uns nur der Besuch der leeren Arena und des dazugehörigen Museums. Ronda ist in der Mitte durch eine tiefe Felsschlucht geteilt, durch die so etwa 100m tiefer der Rio Guadelevin fließt. Eine alte Steinbrücke überspannt diese Schlucht, sie wurde erst 1961 nach Originalplänen wieder aufgebaut.
Auf dem Rückweg geht’s noch zum Großeinkauf. Eingekauft wird alles was schwer ist, d.h. vor allem Getränke. 100 Liter Trinkwasser in 5 Liter Flaschen , Bier, Wein, Milch, Saft, Fanta........Der kleine Polo geht ganz schön in die Knie, wir anschließend allerdings auch, weil alles ja noch vom Auto aufs Schiff und dort verstaut werden muss. Gegen 23 Uhr ist alles geschafft. Am nächsten Morgen ist um 7 Uhr wecken, weil es ja noch nach Gibraltar gehen soll. Julius versteht die Welt nicht mehr. Wo ist denn meine schöne Ruhe hin, ist ja auch noch dunkel draußen. Egal, wir wollen um 10 Uhr auf dem Affenfelsen sein. Eine elend lange Autoschlange vor der Grenzkontrolle will unser Vorhaben allerdings verzögern. Da wir den Mietwagen offiziell ohnehin nicht im Ausland fahren dürfen stellen wir ihn kurzerhand in La Linea (Spanien)  am Straßenrand ab und begeben uns zu Fuß nach Gibraltar. Das erste was wir sehen ist eine in der Bucht gestrandete Yacht, der Wind hier ist halt nicht zu unterschätzen (was wir momentan auch im eigenen Schiff spüren).
Mein letzter Besuch ist knapp 10 Jahre her, seit dem ist die britische Kronkolonie  sehr touristisch geworden. Mit dem Linienbus geht’s über die Landebahn hinein in die Stadt. Da hier immer noch steuerfrei eingekauft werden kann findet man in der langen Fußgängerzone vor allem Alkohol-, Parfüm- und Tabakläden. Mit der Seilbahn geht es für uns hinauf auf den 436 m hohen Felsen. Das erste was wir oben sehen ist ein Berberaffe der auf dem Geländer der Bergstation sitzt und auf was Fressbares lauert. Lange braucht er nicht zu warten, eine junge Touristin steigt mit uns aus und hat noch einen Müsli-Riegel in der Hand. Im Nu ist der Affe an ihr hochgesprungen um an den Riegel zu kommen. Erschrocken reißt die Dame die Hände hoch und lässt den Riegel fallen. Ziel erreicht, der Affe springt herunter greift sich Riegel und verspeist ihn wieder auf dem Geländer sitzend. Ähnliche Situationen erleben wir noch öfter, dabei wird eindringlich davor gewarnt sich mit was Essbarem in der Hand bei den Affen sehen zu lassen. Das Füttern der Tiere ist natürlich bei Strafe (500 Fund!) verboten. Scheinbar wird das Verbot aber kaum beachtet, da selbst und vor allem die Taxifahrer die für einen ansehnlichen Fahrpreis die Touris nach oben kutschieren, die Tiere mit Nüssen und rohen Nudeln kräftig anlocken. Na da holen wir doch auch erstmal unsere Erdnüsse raus und schließen mit einigen der possierlichen Tiere schnell Freundschaft. Für Julius ist es das Erlebnis schlecht hin. Nachdem die erste Hemmung überwunden ist, öffnen die Äffchen unsere Hände um nachzuschauen ob Nüsse drin liegen. Sie sehen natürlich auch gleich wo wir die Nüsse rausholen und schwupps greift mir einer in die Hosentasche. Erst am Nachmittag fahren wir wieder ins Tal. In der Nähe der Talstation entdecken wir noch die „Firestation“ leider fehlt mir die Zeit für längere Gespräche, denn abends um 19 Uhr muss das Auto wieder bei der Vermietung stehen. Noch ein bisschen Schopping (so billig bekommt man Havanna Club schließlich nirgends, außer in Havanna selbst) und dann geht’s zurück nach Spanien und nach Cadiz.

Anschließend brauchten wir erstmal ein wenig Erholung und daher gings hierher nach Sancti Petri zum Baden und faulenzen. Petrus sah das bisher allerdings anders und so fielen  in der Nacht von Samstag zu Sonntag die ersten Sturmböen über uns her. Morgens hatte sich bei Hochwasser eine ordentliche See in der Flussmündung aufgebaut und wir verkrochen uns erstmal eine Meile flussaufwärts. Hier liegen wir nun seit 3 Tagen und es bläst ständig mit 7 bis 8 Bf. In Böen auch deutlich mehr. Spitzenwert heute 52 Knoten Wind (10 Bf). Zum Glück hält der Anker, wir haben fast 40 Meter Kette draußen und daran zirkelt das Schiff herum. Das Wasser strömt mit rund 2-3 Knoten in den Fluss hinein und wieder hinaus. Je nach Tide (Tidenhub 3 Meter)  haben wir den Wind mal von Backbord und mal von Steuerbord. Taras legt sich in den Böen um 10 Grad zur Seite und zerrt unruhig an der Kette. Bei Hochwasser ist die Welle schon ziemlich unangenehm, da die Wasserfläche im Fluss doch deutlich zunimmt. Der Windgenerator macht dabei Überstunden und wir können mit der Bordenergie aasen. Julius kann nach der Schule endlich wieder mal am Computer spielen. Draußen geht eh nichts bei dem Wind und abends ist Bordkino angesagt.