Bericht 14

Sonntag 20. September 2009

Rabat, Marokko, Afrika

Es war eigentlich nur eine relativ kurze Überfahrt hierher, aber für unser Seglerleben war es doch ein Quantensprung. Wir haben mit unserem Boot das erste mal den europäischen Kontinent verlassen. Schon einen komisches Gefühl im Morgengrauen eine unbekannte Afrikanische Küste vor dem Bug zu haben. Aber gleich mehr dazu.

In Sancti Petri hat der starke Wind nach 5 Tagen doch tatsächlich nachgelassen. Während ich versuchte hin und wieder mit dem Dinghy an Land zu kommen, verspürten Katrin und Julius nicht die geringste Lust das doch recht gemütliche Schiff zu verlassen. Seit Monaten wurde wieder mal Gitarre gespielt und viel gelesen. Ich lud mir mein Fahrrad ins Dinghy und ab ging es nach San Fernando, der nächsten größeren Stadt. Als es ruhiger wurde verlegten wir unser Schiff wieder in Richtung Strand. Kurz darauf lernten wir Feit aus Rosenheim kennen, der mit seiner französischen Freundin Sofi  vor einigen Tagen mit einem recht betagtem Stahlschiff (Typ Spray) hier angekommen ist. Er lud uns kurzerhand zu sich an Bord ein, auch der Spanier vom Nachbarschiff war mit seiner Russischen Freundin eingeladen und so waren wir eine illustere Runde. Feit hat sein Schiff vor einem Jahr gekauft, es ist sein Erstes und er will damit zusammen mit Sofi nach Reunion segeln, in ihre Heimat. Für alle die es nicht wissen, Reunion ist eine kleine Insel im Indischen Ozean und gehört zu Frankreich. Wir haben ihnen viel Glück gewünscht, das können sie wohl auch gebrauchen.
Am Tag darauf hieß es für uns Kurs Süd, Richtung Afrika. Die Passage des Dampfertrecks von und ins Mittelmeer war relativ übersichtlich und bevor es dunkel wurde hatten wir die Nordspitze des Afrikanischen Kontinents erreicht. Wir blieben sicherheitshalber 15 bis 20 sm von der Küste weg, da uns schon wilde Geschichten von unbeleuchteten Fischernetzen erzählt wurden. Nachts wurde es dann doch spannend, weil es selbst dort draußen etliche Netze gab, die zwar irgendwie beleuchtet waren, es aber nicht feststellbar war, an welcher Seite man die Dinger passieren kann. Katrin meinte dann bei der Wachablösung auch ziemlich lax, über eins sind wir wohl rüber gesegelt ist aber nix passiert! Glück gehabt. Die letzten der 150 sm wurden dann noch mal recht anstrengend. Nach dem sich der schöne Ostwind in ein Westwind verwandelt hatte gings Morgens dann weiter auf Südwest und zum Schluss auf Süd. Es waren zwar nur 20 Knoten Wind, aber von vorn wurde es dann doch bald unangenehm. Wenige Meilen vor unserem Landfall setzte ich über UKW Seefunk einen Funkspruch an die Marina ab, um ein Lotsenboot zu ordern. Das Schlauchboot war tatsächlich pünktlich zur Stelle und zeigte uns den Weg durch die Flussmündung. Die neueste spanische Seekarte die ich noch für viel Geld in Cadiz gekauft hatte (letzte Änderung August 2009), konnte ich  danach getrost in den Müll werfen. Die war scheinbar 20 Jahre alt. Nicht mal die Marina war dort verzeichnet. Der Fluss war zum Glück deutlich tiefer als in der Karte verzeichnet, so dass wir problemlos den Schwimmponton für die Anmeldeprozedur erreichten. Es lag bereits ein französisches Boot dort, es war Sebastien aus Cherbourg der vor einigen Monaten seine Weltumsegelung begonnen hatte. Er war allein unterwegs und wir verbrachten später noch einen interessanten Abend miteinander.
Die erste offizielle Person die zu uns an Bord kam, war die Seuchenbeauftragte der Stadt. Sie war standesgemäß mit weißem Kittel und Mundschutz bekleidet. Natürlich durfte das Kopftuch nicht fehlen. Wir wurden eingehend angesehen und nach ansteckenden Krankheiten befragt. Nachdem nichts zu finden war, kamen dann auch der Zoll und die Polizei an Bord. Es mussten einige Seiten an Formularen ausgefüllt werden, bevor wir in die Marina und an unseren Liegeplatz verholen durften. Hier erfolgte dann die Anmeldung im Hafenbüro, natürlich wieder mit Formularen die ausgefüllt werden wollten. Wie man sieht ist hier alles etwas anders als bei und gewohnt, aber dann konnten wir uns endlich frei im Land bewegen. Wir gönnten uns eine Mütze voll Schlaf und dann ging es Abends noch nach Sale einem Vorort von Rabat, in die Medina. Wir fanden in dem Getümmel tatsächlich einen funktionierenden Geldautomat, der uns um 4000 Dirham reicher machte. Die ganze Medina ist ein riesiger Marktplatz und so verliert man hier schnell die Übersicht.  Unsere Hauptprobleme waren und sind unsere fehlenden Französischkenntnisse. Jaque, wie gern hätten wir dich hier dabei gehabt! Abends begann ich mir die wichtigsten Vokabeln für den Einkauf wieder einzupauken. In den nächsten Tagen ging es dann allmählich besser.  Julius bekam  in der Medina von Sale wohl seinen ersten Kulturschock. So chaotisch, arm und teilweise schmutzig hatte er sich das wohl nicht vorgestellt. Kein Wunder wenn man nur das reiche und feine Europa gewöhnt ist. Am  Tag darauf ging es nach Rabat, erstmal zur Touristeninformation. Da wir einen Stadtplan haben, sollte das mit dem Taxi wohl recht flotte gehen, es waren wohl höchstens 2 bis 3 km bis dort hin. Wir hielten dem Taxifahrer unseren französischen Stadtplan unter die Nase und erwarteten eigentlich nur ein kurzes „no problem“, oder so. Weit gefehlt, der Taxifahrer konnte mit unserem Plan schlicht nichts  anfangen. Zu viert standen die Fahrer in der Runde und überlegten wohl wo der weit entfernte Ort liegt zu dem wir gelangen wollen. Wir verabschiedeten uns schließlich und wollten zu Fuß gehen bis ein jüngerer Kollege bereit war uns zu fahren. Er drehte den Plan einige Male im Kreis und gab ihn mir zurück. Schluss endlich lotste ich ihn gemäß dem Plan durch die Stadt. Später erfuhren wir, dass hier rund 40 Prozent der Bevölkerung wieder lesen noch schreiben können. Französisch wird nur noch als so genannte Bildungs- und Kultursprache verwendet und da gehörten unsere Taxifahrer wohl nicht dazu.  Später passierte uns das Gleiche mit einer Fahrt zum Palast des Königs in Rabat. Schlussendlich fanden wir einen betagten Fahrer mit seinem noch betagterem Mercedes der uns zum Palast fuhr. Dummerweise hatte sich die Mühe dort hin nicht mal gelohnt, da wir für die Besichtigung des  Palastes durch eine Passkontrolle mussten und unsere Pässe lagen natürlich gut verstaut im Boot. Das königliche Mausoleum konnten wir hingegen auch ohne Passkontrolle besichtigen, hier liegt u.a. Hassan der II, der Vater des jetzigen Monarchen Mohamed dem VI. Es ist wirklich sehr beeindruckend.
Abends bekommen wir noch eine Einladung von Tony, einem alleinsegelnden Engländer der im letzten Jahr seine Weltumsegelung beendet hat und jetzt zum zweiten Mal auf dem Weg in die Südsee ist. Eine stolze Leistung für einen 68 Jährigen!

Am Boot sind allerdings auch noch einige Arbeiten zu erledigen und so legen wir 2 Tage ein, an denen gereinigt und repariert wird. Das Teakdeck hat schon etwas gelitten und so muss an einigen Stellen der schwarze Gummi erneuert werden. Das Schlauchboot und der Außenborder brauchen dringend etwas Pflege und Großreinschiff inklusive Wäschewaschen ist auch mal wieder fällig. Außerdem ist ohnehin noch Ramadan und daher bekommt man in der Stadt weder was zu essen noch eine Tasse Kaffee. Selbst wir als Mitteleuropäer werden schief angesehen, wenn wir uns nur ein wenig Wasser aus der mitgenommenen Trinkflasche gönnen. Meist verziehen wir uns zum Wassertrinken in einen unbelebten Winkel der Stadt, so z.B. in eine der zwei Katholischen Kirchen, die ohnehin kaum Besucher haben.

Übers Internet haben wir bei einem deutschen Reisebüro eine einwöchige Tour durchs Land per Mietwagen gebucht. Über Marrakech wollen wir bis an den Rand der Wüste fahren, wir sind schon sehr gespannt wie es wird und vor allem ob das alles so klappt wie gebucht, wir werden es euch berichten.

21. September 2009
Gestern sind Tom und Susi mit der Aorai hier eingetroffen, es gab natürlich ein freudiges Wiedersehen. Zusammen besuchten wir gestern noch den Palast des Königs und die Chellah, eine 2300 Jahre alte Siedlung die von den Römern gegründet wurde.
Morgen werden wir Tom und Susi in unserem Mietwagen wohl mitnehmen in Richtung Wüste.

Bis Bald!
Eure Taras-Crew