Bericht 15

Montag 28. September 2009

(immer noch) Rabat, Marokko, Afrika

Gerstern Abend sind wir wieder in Rabat eingetroffen, es war eine aufregende und zum Teil abenteuerliche Reise bis an den Rand der Sahara.

Mit unserem Mietauto (Dacia Logan, bestellt war ein Renault Clio!) sind wir vor 6 Tagen in Rabat gestartet. Tom und Susi haben wir mitgenommen, sie hatten sich noch schnell preiswerte Unterkünfte in unserer Nähe besorgt.
Die 350 km bis nach Marrakech kommen wir durch die gut ausgebaute Autobahn recht schnell voran. Mit 5 Leuten im Auto und einem vollen Kofferraum haben wir auch keine Angst vor Geschwindigkeitsübertretungen. Die Begrenzung auf 120 km/h sollte man ansonsten auch strikt einhalten, da tatsächlich viel kontrolliert und auch abkassiert wird. Die Polizisten scheinen hier recht harte Jungs zu sein. Einmal wurde ein Fahrzeug direkt neben uns gestoppt. Dabei stellt sich der Polizist einfach mit Kelle und Trillerpfeife bewaffnet mitten auf die linke Fahrbahn (wohlgemerkt bei 120 km/h) und winkt das betreffende Fahrzeug heraus. Alle Autos im Umkreis sind zur Vollbremsung gezwungen um den guten Mann nicht umzufahren. Wir sind zum Glück nur mit dem Schrecken und ohne Blessuren davon gekommen.
In Marrakech haben wir sog. Riads (kleine Hotels) in der Medina gebucht, also geht’s mit dem Auto erstmal durch eines der  alten Stadttore hinein ins Chaos. Im nu bleiben wir natürlich zwischen Eselskarren, Mopeds, Taxis und Fußgängern stecken. Auch haben wir gleich einige selbsternannte Stadtführer am Auto, die wir aber erfolgreich abschütteln können. Wir suchen uns einen bewachten Parkplatz am Rand der Medina und versuchten das Ganze dann noch mal zu Fuß. Unsere Riad, die wir zur Übernachtung gebucht hatten, liegt versteckt in einer der kleinsten Wohngassen, die teilweise überbaut und daher recht dunkel sind. Die Riad selbst ist traumhaft hergerichtet. Schaut euch nur die Bilder an.
Die Hauptattraktion für Marrakech-Touristen ist  wohl der Place Djemaa El Fna. Der Name bedeutet Versammlungsplatz der Getöteten und weißt darauf hin, dass der Platz einst als Richtstätte diente. Hier wurden die Köpfe der Hingerichteten zur Schau gestellt.
Heute tobt hier allerdings das Leben. Schlangenbeschwörer, Wahrsager, Wassermänner und diverse Händler versuchen ihr Geld mit den Touristen zu verdienen. Abends findet man hier die berühmten Garküchen, die landestypische Speisen für wenig Geld anbieten.  Aber auch dabei gibt es gewaltige Unterschiede. In einigen Garküchen sitzen nur Marokkaner, hier gibt es auch keine „Angestellten“ die die Touristen an die Tische ziehen, die Preise sind deutlich niedriger und die Speisen sind auch in Ordnung. Bis spät sind wir noch in den Souks, den verwinkelten Gassen unterwegs.
Am nächsten Morgen geht’s weiter mit dem Auto in Richtung Wüste. Unser Umgebung verändert sich zusehends. Kein Wunder das über 4000m hohe Atlasgebirge steht ja auch vor uns. Für unser voll beladenes Auto ist es jedenfalls eine Herausforderung. Rot gefärbte kahle Gebirgshänge auf der einen und fruchtbare grüne Täler auf der anderen Seite. Eine Zeit lang fahren wir am so genannten Draa Tal entlang. Hier fließt auch in trocknen Zeiten ein Fluss und lässt ganze Palmenwälder entstehen. In den Dörfern am Fluss scheint die Zeit schon vor einigen Hundert Jahren stehen geblieben zu sein. Der Eselskarren ist das bevorzugte Transportmittel. Elektrischer Strom ist selten vorhanden und Wasser liefert ein Brunnen oder der Fluss. Die Häuser sind aus Lehm, Palmenholz und Schilf gebaut, Baustoffe die billig und vor Ort zu bekommen sind. Was für ein krasser Unterschied zum Leben in Städten wie Rabat oder Casablanca.
Einen kurzen Zwischenstopp machen wir in Quarzazate, hier haben sich Amerikanische Filmstudios niedergelassen und Filme gedreht wie: „Die Mumie kehrt zurück“, „Gladiator“ und „Königreich der Himmel“. Von letzterem können wir die Kulissenstadt von Jerusalem besuchen. Die „Mauern“ aus Gips und Farbe sehen selbst aus nächster Nähe noch verdammt echt aus. Auch die großen Katapulte und die viereckigen Türme, die zum Stürmen der Mauern genutzt wurden, sind noch da.  
In Agdz übernachten wir in einer traditionellen Kasbah. Wir beziehen einen der 4 Ecktürme des burgähnlichen Gebäudes. Im Garten gibt’s sogar einen kleinen Pool, was für ein Luxus nur 150 km von der Sahara entfernt.
Am folgenden Morgen fahren wir zunächst nach Tamegroute, dort beziehen Tom und Susi ihre Herberge. Tom geht’s nicht richtig gut, er hat sich wohl ein paar Keime eingefangen. Zusammen mit Susi werden wir eingeladen das Dorf mit Bibliothek und Töpferei zu besuchen. Der Fremdenführer spricht sogar Deutsch und so erfahren wir viel vom harten Leben in dieser Gegend. Im Dorf leben 6 Familien mit insgesamt 180 Personen. Die meisten arbeiten in der Töpferei. Der Lehm für die Gefäße wird von Hand aus ca. 4 Metern Tiefe heraufgeholt. Auch das Wasser und das Heizmaterial für die Brennöfen wird mit Eselskarren oder auf dem Kopf herangeschleppt. Meist kommen Sägespäne oder Reisig zum heizen der Öfen zum Einsatz. Die beiden Gasbrennöfen sind zwar noch funktionsfähig, aber das Gas ist einfach zu teuer geworden und so bleiben sie halt kalt. Später führt uns unser Guide durch die „Unterstadt“ Es ist wirklich stock dunkel weil die meisten Gassen irgendwann mit Häusern überbaut wurden. Wir gelangen in ein spärlich beleuchtetes fensterloses Gemäuer. Hier werden die hergestellten Töpferwaren meist von den Frauen der Familien bemalt und glasiert. Zum Einsatz kommen dabei natürliche Farben aus Magnesium, Kupfer und Pflanzen.
Schwer beeindruck kaufen wir einen ziemlich überteuerten Kerzenständer. Ich verbuche das Geld unter Besichtigungsgebühr. Abgesehen davon feilschen und handeln wir natürlich bis aufs Messer. Meist ist das mein Job. Es ist schon nicht einfach bei einem vom Händler genannten Preis als Gegengebot etwa ein Viertel bis ein Drittel des Preises zu bieten. 
Die Händler tun natürlich schwer beleidigt, gehen aber dann doch auf deutlich unter die Hälfte ihres ersten Gebotes herunter. Landet man bei einem Drittel des geforderten Preises hat man selten zuviel bezahlt.
Hier finden wir auch den Wegweiser nach Tombouctou (Timbuktu) im heutigen Mali. 52 Tage mit dem Kamel quer durch die Sahara! Dieser Weg wurde unter anderem von den Sklavenhändlern genutzt die ihre afrikanischen Sklaven in Timbuktu kauften und in Karawanen durch die Sahara nach Marrakech und weiter bis an die marrokanische Atlantikküste brachten. Von dort aus wurden sie dann nach Amerika verschifft.
In Familie fahren wir noch ein paar Kilometer weiter bis zur ersten Düne der Sahara (Düne von Tinfou) und zu unserem Hotel. Es heißt „Sahara Sky“ und steht nur ein paar hundert Meter von eben dieser Düne entfernt. Der Wind hat ziemlich aufgefrischt und so finden wir uns bald in einem kleinen Sandsturm wieder. Das Hotel selbst ist erst 10 Jahre alt, wird aber vom Sand schon ziemlich eingedeckt. Der deutsche Besitzer erzählt uns, wie er es gebaut hat und dass das wichtigste vor Baubeginn ist, eine Umfassungsmauer zu bauen. Die hält den meisten Sand ab und wenn’s zuviel wird, dann muss halt geschaufelt werden. Er lüftet für uns auch das Geheimnis der großen Düne von Tinfou. Unter der Düne befindet sich nämlich eine alte Kasbah, die nunmehr komplett vom Sand verdeckt wird. Zur Zeit der Sklavenkarawanen befand sich hier die Bank der Sklavenhändler. Man munkelt, dass dort heute noch rund 15.000 Golddukaten liegen. Goldsucher wollten den Schatz schon heben, aber der König hat jegliche Grabungen verboten und das ganze zum heiligen Ort erklärt. Selbst wenn die Geschichte nicht wahr sein sollte, ist sie doch mächtig abenteuerlich, oder?!
Trotz des sandigen Windes mache ich mich zusammen mit Julius auf zur Düne. Draufklettern ist nämlich nicht verboten. Einige Kameltreiber warten schon vor ihren Zelten auf uns um ihre Dienste anzubieten. Wir lehnen höflich aber bestimmt ab und befinden uns kurze Zeit später auf dem Berg des riesigen Sandkastens.
Abends werden wir vom Hotelbesitzer noch zu einer „Sternstunde“ eingeladen. Er ist Hobbyastronom und hat ein großes Teleskop auf dem Dach des Hotels zu stehen. Der Wind hat sich gelegt und wir können uns u.a. den Jupiter mit seinen 4 Monden ansehen. Auch Julius ist schwer begeistert, vor allem von den Geschichten die er uns von sterbenden Planeten und schwarzen Löchern erzählt.
Tags darauf geht’s leider schon wieder zurück Richtung Marrakech. Von Tom hören wir nichts Gutes, er hat starkes Fieber und ist sehr schwach. Wir laden ihn ist Auto und fahren auf schnellstem Wege ins nächste Hotel auf dem Rückweg.  Ganz so schnell geht das ganze aber dann doch nicht. Es regnet nämlich und der Lehmboden des Atlasgebirges speichert kaum Wasser. Jedenfalls füllen sich ausgetrocknete Flussläufe ziemlich schnell mit rotbraunem schlammigen Wasser. Kurz vor Quartzazate müssen wir dann umdrehen und einen anderen Weg suchen. Die Straße auf der wir gestern noch gefahren sind ist heute an einer Stelle für uns nicht mehr passierbar. Nur große LKWs trauen sich noch durch den Fluss der nun die Asphaltstraße quert. Zum Glück gibt es einen alternativen Weg, das kommt hier in den Bergen nicht häufig vor.
Heute übernachten wir nahe der Kasbah-Stadt Ait Benhaddou. Selbige steht auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco. Tom wird fachgerecht ins Bett verfrachtet und wir erkunden zu viert die Kasbah-Stadt. Insgesamt 6 uralte Kasbahs bilden hier eine trutzig aufragende Wohnburg. Aber auch diese Burganlage wurde vor allem aus Lehmziegeln und Stampflehm gebaut und ist für starke Regenfälle ziemlich ungeeignet. Nach heftigen Platzregen können schon mal ganze Mauerkonstruktionen auseinander fallen und mit dem Fluss fort getragen werden. Der Fluss den wir überqueren müssen ist momentan aber nur ein paar Zentimeter tief. Brücken gibt es hier nämlich nicht. Im Fluss selbst sammeln wir noch ein paar schöne Bergkristalle.
Am vorletzten Tag unserer Reise geht es wieder zurück nach Marrakech. Hier wird noch ein wenig eingekauft bevor wir zum Schluss über Casablanca nach Rabat zurückfahren. In Casablanca gönnen wir uns noch die Besichtigung der großen Moschee Hassan II. Es soll nach der Moschee in Mekka immerhin die zweitgrößte Moschee der islamischen Welt sein. Das Minarett hat eine Höhe von 200m und ist damit das Höchste Minarett der Welt. Ein 30 km langer Laserstrahl zeigt den Gläubigen nachts den Weg Richtung Mekka.  Die Moschee wurde 1993 nach 6 jähriger Bauzeit fertig gestellt. Über 30.000 Handwerker und 90 Ingenieure waren am Bau beteiligt. Sie bietet Platz für 100.000 Gläubige.  Es heißt, dass die Spenden dafür allerdings vom Volk erzwungen wurden. Für uns ist das Gebäude schon sehr beeindruckend. Die großen christlichen Gotteshäuser, wie der Petersdom oder der Kölner Dom gefallen uns dennoch besser.
Ziemlich k.o. aber mit vielen vielen gesammelten Eindrücken. Erreichen wir am späten Nachmittag wieder Rabat. Nun geht’s noch schnell in den Supermarkt, denn morgen muss um 9 Uhr das Auto abgegeben werden. So laden wir ein letztes Mal unseren Dacia mit Trinkwasser und Lebensmitteln voll um das Zeug später nicht schleppen zu müssen.

Jetzt werden wir uns erstmal ein paar Tage von der recht anstrengenden Reise erholen müssen, bevor es weiter Richtung Kanarische Inseln geht. Unsere Magen-Darmtrakte haben sich wohl auch noch nicht so ganz an die hiesigen Keime gewöhnt..............

Es grüßt euch eure

Taras-Crew