Bericht 16

Montag 12. Oktober 2009

La Graciosa, Kanarische Inseln

Afrika liegt fürs erste hinter uns, zumindest vom wirtschaftlichen und politischen Aspekt. Die Kanaren gehören ja geographisch auch eher nach Afrika. Trotzdem kommt uns La Graciosa natürlich sehr europäisch vor. Nach fast 4 Wochen Marokko können wir mit den Worten unseres Regierenden Bürgermeisters sagen „...und das ist auch gut so!“  Das soll nicht heißen, dass uns Marokko nicht gefallen hätte, es war ein Erfahrung die wir sicherlich nicht missen möchten.
Nach unserer Tour an den Rand der Sahara mussten wir uns erstmal 5 Tage erholen. Julius hatte es am Ärgsten erwischt. Er klagte noch lange über massive Magen-, Darmprobleme. Am Samstag vor einer Woche ging es dann aber endlich weiter Richtung Süden. Wir wollten die 480 sm nach Graciosa hinter uns bringen. Leider war der Wind anderer Meinung. Selbiger schlief nämlich nach den ersten 120 sm ein und wehte später sogar ganz leicht aus Süd. Da uns der DWD für die nächsten Tage auch keine hinreichenden nördlichen Winde versprach, entschlossen wir uns für einen Zwischenstopp in Marokkos Künstlerstadt Essouira. Wir durften hier noch einmal 2 Tage Marokko pur erleben. Zumindest was den Hafen betrifft. Der alte Hafen von Essouira ist ein reiner marokkanischer Fischereihafen. Yachten gehen an einheimischen Booten längsseits. Wir wurden von einigen selbsternannten Yachteinweisern in Empfang genommen und im Paket an eine schwedische Yacht festgemacht. Daraufhin wollten die Einweiser erstmal was zu trinken haben. Später wurde ich dann zum Zoll und zur Einklarierung gebracht. Ein rundlicher Beamter nahm mich in Empfang und tippte mit einem Finger den Inhalt unserer 3 Pässe und der Bootspapiere in einen PC aus dem späten letzten Jahrhundert. Nach einer Stunde war dann auch alles erledigt und ich durfte zur Polizei und danach zur Hafenbehörde gehen. Später kam ein Kollege des rundlichen Beamten zu uns ans Schiff und bat mich noch mal zum Büro zu kommen. Sein Kollege hatte wohl die mühsam erstellte Datei vergessen abzuspeichern und so wiederholte sich die Prozedur noch einmal. Die Behörden waren dabei allerdings sehr freundlich und niemand fragte nach einem Bakschisch. Unser Yachteinweiser, der sich mit „Lassin“ vorstellte war da allerdings von einem ganz anderem Schlag. Er wollte Geld, Zigaretten und Alkohol von uns. Dafür versprach er aufs Schiff aufzupassen. Da die 4 Segelyachten an einem Kutter längsseits lagen von dem er behauptete das es sein Eigener wäre, waren wir mit der Ablehnung seiner Wünsche etwas vorsichtig. Alkohol bekam er von uns allerdings nicht. Immerhin ist es in Marokko verboten einem Muslim Alkohol zu geben. Zusammengefasst war der Hafen laut, dreckig und roch erbärmlich nach vergammelten Fischresten. Einige vertrocknete Exemplare durften wir dann auch hin und wieder vom Deck räumen. Vermutlich hatten dann Möwen ihre Beute beim Streit verloren. Trotzdem war es hoch interessant den Fischern so aus nächster Nähe bei der Arbeit zuzusehen. Gefischt wird hier größten Teils von etwa 7 Meter langen offenen Holzbooten, die mit 4 Mann besetzt sind und mit einsetzender Dunkelheit auslaufen. Sie schleppen dabei mit Fischfetzen bestückte Langleinen hinter sich her und entfernen sich durchaus bis zu 15 sm von der Küste. Der gefangene Fisch wird direkt am Kai angeboten und man bekommt nicht nur Thunfisch und Makrelen sondern auch Hai, Rochen, Muräne und Seespinnen. Da unsere Mägen gerade wieder in Ordnung waren, verzichteten wir auf diese Leckereinen und ernährten uns von unseren bordeigenen Vorräten.
Die Stadt Essouira selbst empfanden wir als sehr angenehm. Wir konnten in aller Ruhe durch die Medina schlendern und gaben noch mal ein paar Hundert Dirham für diverse „Mitbringsel“ aus. Am letzten Mittwoch war für die Yachten die gen Süden wollten dann großer Aufbruch. Eigentlich hätte man noch einen Tag warten sollen, aber der Herdentrieb riss uns mit und so ging es mittags erst mal hinaus in die Ankerbucht um das Schiff gründlich zu reinigen. Am späten Nachmittag verließen wir die marokkanische Küste um nun endlich die letzten 240 sm nach La Graciosa abzusegeln. Am Freitag bei Sonnenaufgang erschienen dann endlich die ersehnten Felsen aus dem Atlantik. Den Hafen von Caleta del Sebo erreichten wir gegen 9 Uhr und fanden tatsächlich den letzten freien Liegeplatz. Schon am Nachmittag trafen wir in der Hafentaverne einige Schweizer Crews und ließen uns unser ersten kühles und frisch gezapftes Bier seit Wochen schmecken.  Am Wochenende wurde die Insel dann per Pedes und später noch per Mountainbike erkundet. Tja und baden kann man hier auch wieder, und das in kristallklarem Atlantikwasser mit erfrischenden 20 Grad Celsius. 
Gestern Abend klingelte dann mein Telefon und Tom und Susi kündigten ihr Kommen an. Sie waren einige Tage nach uns in Rabat gestartet und sind dann direkt bis hierher gesegelt. Wir organisierten noch einen versteckten Liegeplatz und freuten uns wirklich sehr über unser Wiedersehen. Tom hatte in Rabat tatsächlich noch einen Anlasser für unseren Motor auftreiben können. Er war mit einem Bekannten zum Schrottplatz gefahren und erstand einen gereinigten und geprüften Anlasser für umgerechnet 32 Euro. Der Basismotor unseres Volvo Penta ist nämlich ein Peugeot 504  Diesel mit 2,1 Liter Hubraum. Ein Motor der hier noch in etlichen französischen Fahrzeugen vor sich hin brummelt.
Morgen geht’s dann weiter nach Lanzarote, zusammen mit der Aorai!
Wir hören von einander!

Eure Taras Crew