Bericht 12

Montag 9. November 2009

Marina San Miguel, Teneriffa, Kanarische Inseln

Gestern sind wir nach recht verlustreicher Überfahrt im Süden Teneriffas angekommen, hier dürfen wir jetzt (wieder mal) auf ein Ersatzteil warten. Es soll aus den USA geliefert werden. Jetzt aber erstmal der Reihe nach. Von Corralejo aus ging es nochmal zurück nach Lanzarote zum Papagaienstrand zum Baden und schnorcheln. Der Schwell der da auf den Strand krachte war allerdings sehr beeindruckend. Trotzdem ruderten Julius und ich mit dem Schlauchboot zum Strand. Die Landung zwischen zwei Brandungswellen klappte prima und wir hatten unseren Spaß am und im Wasser. Allerdings fragen wir uns wie wir unser Schlauchboot wieder heil zum Schiff bekommen wollten. Der erste Ausbruchversuch ging dann auch gehörig in die Hose. Uns erwischte die Brandung diesmal voll und das Boot ging überkopf. Zum Glück war fast alles angebunden, so dass nur mein Basecap verloren ging. Im dritten Versuch schafften wir es schwimmend bis hinter die Brandung und kletterten erst weit vom Ufer entfernt ins Boot. Julius hatte danach keine Lust mehr auf diesen Strand. Die Überfahrt nach Grand Canaria (100 sm) verlief bei nur 2 bis 3 Windstärken sehr ruhig, trotzdem konnten wir die gesamte Strecke segeln. In Las Palmas angekommen treffen wir unsere schwedischen Bekannten von der Aura wieder, sie verlassen gerade den Hafen. Wir verabreden und für Teneriffa und bekommen anschließen unerwarteter Weise einen Platz in der Marina. Da von Las Palmas jedes Jahr die ARC (Atlantic Ralley for Cruisers) gestartet wird, ist der Hafen schon Wochen vorher überfüllt. Die Plätze sind für die ARC Teilnehmer reserviert, in diesem Jahr nehmen 220 Yachten an dieser gemeinschaftlichen Überfahrt in die Karibik teil. Uns ist nicht nur die Teilnahmegebühr von 1000 Euro zu hoch, wir wollen außerdem noch zu den Kap Verden und daher kommt eine Teilnahme für uns nicht in Frage. Las Palmas finden wir auf den ersten Blick schrecklich aber so nach und nach lernen wir auch die schönen Seiten der Stadt kennen. Das Kolumbushaus ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wir lernen noch mehr über seine 4 Reisen in die neue Welt über die gewählten Routen und die gemachten Erfahrungen. Julius und ich gönnen uns noch einen Besuch im Technikmuseum. Von der Dampfmaschine bis zum Jagdflugzeug kann alles hautnah erlebt und vor allem auch angefasst werden. Am Steg gegenüber treffen wir alte Bekannte wieder, Bruni und Klaus von der Windrift IV liegen hier über den Winter und es gibt ein herzliches Wiedersehen. Immerhin sind 5 Jahre seit unserer letzten Begegnung vergangen. Es war auf Korsika, wo wir sie kennen lernten. Sie warten hier auf neue Technik für ihr Boot. Ein Blitzschlag hat die gesamte Elektronik im Wert von 15.000 Euro lahm gelegt. In Las Palmas machen wir auch unseren ersten Großeinkauf für die Überfahrt in die neue Welt. Die Supermarktkette Hyper Dino lockt mit 5 % Ermäßigung und kostenfreier Anlieferung bis ans Schiff. Nach 4 Tagen Aufenthalt werden wir höflich aufgefordert den Platz zu räumen, die ARC Teilnehmer wollen hinein. Kein Problem für uns, der Wind lädt ohnehin ein weiterzusegeln. Wir wollen nach Teneriffa und können auf NE-Wind hoffen. Bis zum Nordkap Gran Canarias müssen wir motoren, dann fallen wir ab und unser Spinacker bringt uns gut auf Fahrt. Wir liefern uns ein kurzes Duell mit einer Englischen Yacht, die aber relativ schnell achteraus fällt, das tut gut! Kurz vor Sonnenuntergang laufen wir in den Hafen von Santa Cruz ein. Unser Stadtbummel am nächsten Tag führt uns zuerst zum Schiffsausrüster, wir legen uns ein drittes Solarpaneel zu, das später noch an den Geräteträger montiert werden muss. Im Internet surfen wir wieder zum Thema Kap Verden. Seit dort das Denguefieber ausgebrochen ist, ist die segelnde Gilde etwas vorsichtig mit dem Reiseziel geworden. Die Botschaft der Kap Verden in Berlin teilt mir aber mit, dass die nördlichen Inseln, die wir besuchen wollen (noch) nicht betroffen sind. Wir werden unsere Entscheidung zum weiteren Reiseverlauf noch etwas aufschieben. Eine Straßenbahnfahrt führt uns nach La Laguna, es liegt nur 10 km von Santa Cruz entfernt in den Bergen. Hier ist es tatsächlich 7 Grad kälter und meine Crew kauft sich im Schlussverkauf erst mal was zum Anziehen. Die Universitätsstadt ist sehr sehenswert und wir besuchen hier das Historische Museum Teneriffas. Nach 3 Tagen verlassen wir Sant Cruz gegen Mittag um ein Stück weiter Richtung Süden zu segeln. Wir legen in einer kleinen privaten Marina an und stauen über die Hochhäuser die an einem 100m hohen Felsen stehen. Die Hochhäuser können unten und oben verlassen werden. Im 20. Geschoss tritt man ist Freie und ein Übergang führt zur nächsten Serpentinenstraße. Für den nächsten Tag wird Wind von 5 bis 6 Bf angesagt. Er soll aber von achtern kommen und so geht es auf zum Süden der Insel. Kurz nach dem Segelsetzen finde ich eine kleine M5 Schraube an Deck. Trotz langen Suchens finde ich nicht die Stelle, an der sie montiert war. Wir setzen das Großsegel und nehmen schnell Fahrt auf. Nach einer Stunde nimmt der Wind auf über 30 kn zu und wir wollen das Großsegel reffen. Da gibt es einen Knall. Der Niederholer des Großbaums hatte sich gelöst, da fehlte also die kleine Schraube. Wir gehen in den Wind und nehmen das Großsegel weg. Anschließend geht's unter gereffter Genua 2 weiter, der Ruderdruck ist nun deutlich weniger und wir surfen immer noch mit bis zu 10 kn die Wellen hinunter. Mit Annäherung an das südöstliche Kap der Insel macht sich die berüchtigte Winddüse bemerkbar und der Wind nimmt auf 45 bis 50 kn zu. Wir haben jetzt nur noch ein taschentuchgroßes Vorsegel ausgerollt und sind immer noch schnell genug. Plötzlich legen wir uns auf die Seite und Gischt geht übers Deck. Meine Steuerfrau wirkt erschreckt und meint, das dass Ruder wohl gebrochen sei, jedenfalls reagiere das Schiff nicht mehr aufs Ruder. Unser Schiff legt sich zum Glück recht ruhig auf die Seite und wartet scheinbar auf neue Befehle. Das Ruder konnte nicht gebrochen sein, nicht bei diesem Schiff. Ich vermute einen Fehler in der Radsteuerung und flitze in die Kajüte um die Notpinne heraus zu holen. Das Aufstecken auf den Ruderschaft dauert nur wenige Minuten und unsere Taras lässt sich nun wieder steuern. Ich übergebe Katrin die Notpinne und beginne mit der Fehlersuche. Ich werde schnell fündig, der Ruderquadrant ist gebrochen. Er hat die Aufgabe die Kraft der Seilzüge auf den Ruderschaft zu übertragen. Das 25 Jahre alte Aluminiumteil einer amerikanischen Firma war wohl schon etwas altersschwach. Was solls, jetzt heißt es erstmal heil anzukommen. Am Südostkap Teneriffas bläst es immer noch mit 50 kn, aber die 3-4 m hohen Wellen nehmen jetzt relativ schnell ab. Einmal legen wir uns noch quer zur Welle, aber das liegt an der ungewohnten Steuerung. Kein gutes Wetter, um so was ausgiebig zu üben! Über Seefunk melde ich uns in der Marina San Miguel an und versuche unser Handicap zu erklären. Wir werden längsseits an ein sehr großes Segelschiff dirigiert. Der Anleger klappt natürlich auch nicht wie gewohnt, da ich entweder an die Notpinne oder an den Gashebel komme. Eine Windbö drückt unseren Bug an den großen Nachbarn und unsere Steuerbord Positionslampe wird an seinem Schanzkleid regelrecht zerquetscht. Der Bugkorb bleibt zum Glück unversehrt. Als wir fest sind, können wir endlich aufatmen. Erste Recherchen zur Ersatzteilbeschaffung machen wir noch am Abend im Internet. Die amerikanische Firma Edson, die die Ruderanlage seinerzeit produziert hat, existiert zum Glück noch. Wir finden sogar die deutsche Vertretung der Firma. Es ist die Firma Gotthardt in Hamburg. Und wie es der Zufall will, arbeitet dort ein Freund von Lutz, den auch wir gut kennen. Ein Telefonat und eine Mail später geht es mir schon deutlich besser. Er will uns schnell helfen und sendet noch am Sonntag unsere Bestellung in die Staaten. Sören, vielen Dank noch mal!!! Jetzt muss das Ersatzteil nur noch richtig ankommen und auch passen, dann kann es weitergehen. Den Niederholer repariere ich mit Bordmitteln und die fehlende Positionslampe muss bis zum nächsten Schiffsausrüster warten. In San Miguel treffen wir die Crew der Eden wieder, sie sind ein paar Stunden nach uns angekommen und haben sich auf ihrer Überfahrt von Gran Canaria auch einige Blessuren geholt. Friedrich muss jedenfalls mit seiner Genua und seiner Sprayhood zum Segelmacher. Zusammen machen wir noch einen Ausflug ins Gebirge und fahren vom sonnigen und warmen Süden in den regenreichen und kühlen Norden der Insel. Im Anagagebirge fängt es bei nur noch 15 bis 18 Grad richtig an zu schütten. Nur Claudia freut sich wie ein kleines Kind über den Regen, wir hingegen sind froh, als nach einer Stunde wieder die Sonne scheint. Was für ein krasser Unterschied auf einer Distanz von rund 60 Kilometern. Abends lernen wir noch Dieter an der Bar im Hafen kennen. Er will auch auf eigenen Kiel in die Karibik. Allerdings mit einer 20 Meter langen und 75 Tonnen schweren Motoryacht. Bei 13.000 Litern Diesel an Bord muss er sich wohl auch keine Gedanken über den Treibstoffvorrat machen. Wir werden uns in der Karibik sicherlich wieder sehen (wenn unser Schiffchen irgendwann wieder einen Ruderquadranten hat!).

Seid lieb gegrüßt von der Taras-Crew