Bericht 12

Sonntag den 22. November 2009

Marina San Sebastian, La Gomera, Kanarische Inseln

Nach 12 langen Tagen haben wir vorgestern nun Teneriffa verlassen und sind auf La Gomera angekommen. Die Überfahrt war natürlich zugleich Testfahrt mit unserem neuen Ruderquadranten und es hat alles wieder perfekt funktioniert. Unterwegs haben wir dann auch noch die hier ansässige Grindwalfamilie gesehen und waren ganz begeistert.

Vorher war das aber wieder mal nicht ganz so einfach mit dem Paket. Diesmal lag es aber weniger am Paketservice (Fedex scheint recht schnell zu sein) als vielmehr am Spanischen Zoll. Das Paket traf dort nämlich nach nur einem Tag ein und das wars dann auch erst einmal.  Zum Glück bekam ich einen Anruf von Sören, der mir sagte, mich doch mal mit Fedex in Verbindung zu setzen. Mein neuer Freund John half mir dabei. John hatte ich noch gar nicht erwähnt. Er ist mit seiner Familie selbst auf dem Weg in die Karibik und hat seine Kinder dabei, einen Sohn von 12 und eine Tochter von 18 Jahren. Julius ist seither fast täglich mit den beiden zusammen und ich glaube es funktioniert ganz gut. Sie verständigen sich englisch und so muss Julius endlich seine Englischkenntnisse anwenden. Wir haben es da einfacher, da John und Helen, seine Frau, perfekt deutsch sprechen. Nun John spricht zudem auch noch perfekt englisch und so übernahm er den Anruf in den USA. Uns wurde mitgeteilt, das eine sog. Importnummer fehlt, ohne die das Paket nicht durch den Zoll kommt. Importnummer??? Noch nie was von gehört! Man gab uns den Hinweis, doch mal bei Fedex in Madrid anzurufen. Dort wiederum löste sich jedenfalls für John das Rätsel, man benötigte nämlich die CIF Nummer, mit der ich allerdings genauso wenig anfangen konnte. Zum Glück kannte John den Begriff, da er selbst viele Jahre eine Firma geleitet hatte. Mir half zudem die Encarta Enzyklopädie weiter:
CIF, Abkürzung für die englischen Begriffe cost, insurance und freight. Der Begriff CIF bezeichnet die Vereinbarung über die Lieferung von Waren an einen Bestimmungshafen zu einem Preis inklusive Kosten, Versicherung und Seefracht.

Nun, das ist ja fein, aber woher bekommt man diese. John meinte, die Marina müsse so eine Nummer haben. Zum Glück hatte er Recht und 20 Minuten später waren wir tatsächlich im Besitz jener Nummer. Nun konnte niemand mehr das Paket aufhalten. Einen Tag später landete selbiges auf Teneriffa und wir holten es in Santa Cruz bei einer Agentur ab. Der Agent wollte nämlich für seine Leistungen (welche immer das auch waren) auch bezahlt werden.
Zwischenzeitlich feierten wir ausgiebig Julius seinen 13. Geburtstag zusammen mit der holländischen Familie von der „Nebulae“. Für Julius, seinen Freund und mich ging es auf die Kart Bahn. Für uns drei war es das erst Mal und mir hat es richtig Spaß gemacht. Danach war mir aber auch klar, dass Rennfahrer sicherlich kein leichter Job ist.

4 Tage später hatte ich den neuen Quadrant endlich in den Händen und er passte dann auch ohne dass größere Umbauten notwendig waren. Endlich war unsere Taras wieder voll einsatzbereit und wir liefen aus nach La Gomera.

Hier in San Sebastian wurden wir erstmal an die Tankstelle gelegt, da kein Platz frei war, wir nutzten die Gelegenheit und bunkerten die Tanks mit Diesel voll. Leider fing darauf eine Reinigungsöffnung am Tank an zu lecken und es wurde wieder einmal gebastelt bis alles dicht war.
Gestern Abend hat Andreas, der Trans- Ocean Stützpunktleiter hier ein Grillfest veranstaltet. Es waren nicht nur Segler sondern auch Ruderer eingeladen. Insgesamt liegen gegenüber dem Hafen momentan gut 30 Hochsee-Ruderboote mit denen eine Regatta von La Gomera nach Antigua in der Karibik, veranstaltet wird. Ja ihr habt richtig gelesen, das was wir segeln werden, wollen sie rudern! Es gibt 3 Klassen je nach Besetzung der Boote, von der 4-Mann Crew über die 2-Mann Crew bis zum Solo ist alles vertreten. Und wenn ich hier „Mann“ schreibe ist das auch nicht richtig, denn eine Frauencrew aus Frankreich ist auch am Start. Die 4 jungen Damen haben mir einiges über den Ablauf ihrer Reise und über ihre Ausrüstung erzählt. Sie gehen davon aus, dass sie für die rund 2600 sm (5000 km) lange Strecke 2 Monate benötigen werden. Es werden immer 2 Frauen rudern wärend die anderen beiden sich ausruhen bzw. andere Arbeiten wie Navigation und Kochen erledigen. Alle 2 Stunden wird gewechselt, rund um die Uhr 60 Tage lang! Am 6. Dezember um 12 Uhr fällt hier am Hafen der Startschuss.

Für zwei Tage fahren wir zusammen mit den Holländern von der „Nebulae“ über die Insel. Die Insel ist wirklich schön anzusehen. Sie ist sehr grün, sogar einen Urwald gibt es hier und einige Wasserfälle. Wir wandern durch den Urwald und fahren auch nach  Valle Gran Rey, das in einer tiefen Schlucht liegt und wo sich immer noch so ein bisschen die Hippie Szene trifft (auch wenn selbige schon etwas in die Jahre gekommen sind). Im Besucherzentrum des Nationalparks lernen wir noch einiges über die Lebensweise der letzten Jahrhunderte auf der Insel und über die Pfeifsprache El Silbo, die auch heute wieder unterrichtet wird.
Julius und Ivo verstehen sich wirklich gut und sind auch während der Fahrt bei uns im Auto zusammen. Der Abschied von ihnen in ein paar Tagen wird uns sicherlich nicht leicht fallen. Hoffentlich werden wir uns noch einmal wieder sehen.

Dienstag, 24.11.2009

Heute ein Tag vor der Abfahrt werden noch einmal die Vorräte ergänzt. Ob das wirklich nötig ist wissen wir nicht, aber es macht ein gutes Gefühl.  Obst und Gemüse wird morgen vor dem Start noch gebunkert, direkt vom Wochenmarkt. Das hält sich dann länger als vom Supermarkt.
Täglich verlassen jetzt ein bis zwei Boote den Hafen, die meisten in Richtung Kapverden. Für diesen willkommenen Zwischenstopp wird der Umweg von 200-300 sm in Kauf genommen. Da Frank auf uns in Mindelo wartet, ist unser nächster Stopp ohnehin klar. Es wird auch Zeit dass es endlich los geht, das Lampenfieber macht sich allmählich breit und da hilft es nur, die Überfahrt endlich zu beginnen. Wenn alles klappt und der Wind mitspielt, werden wir in 6 bis 7 Tagen auf Sao Vicente, im Nordwesten der Kapverden ankommen. Wir melden uns spätestens dann. Evtl. geben wir noch einen kurzen Bericht von unterwegs an unseren Web-Master.

Seid lieb gegrüßt von der Taras-Crew

PS: Ich habe es nicht mehr geschafft die Bilder zu beschriften, aber zuerst kommen die von Teneriffa mit dem Teide (3700 Meter hoch) und danach die von La Gomera. Die 4 jungen Französinnen und die Ruderboote sind bestimmt auch zu erkennen!