Bericht 20

Freitag, den 4. Dezember 2009

Mindelo, Sao Vicente, Kapverdische Inseln

Nun haben wir es geschafft, jedenfalls bis zu den Kapverden. Es waren 808 sm und wir benötigten 5 Tage und 18 Sunden. Unser bestes Etmal: 153 sm (Strecke in 24 h)
Auf den ersten 50 sm hatten wir leichten Gegenwind und wir motorten Richtung Süden. In der Nacht stellte sich aber dann der versprochene Nordostwind ein und wir konnten segeln. Er drehte später auf Ost und mit halben Wind (von der Seite) flogen wir regelrecht unserm Ziel entgegen. Das war ein recht angenehmer Kurs, das Boot lag stabil auf der Seite und nachts rollten wir nicht so in den Kojen umher. Am 3 Tag drehte der Wind zurück nach NE und nahm auf 5 bis 6 Bf zu. Die Windsee überlagerte sich mit einer alten Dünung, welche beide aber nicht die gleiche Richtung hatten. Wir fingen recht heftig an zu schaukeln. 30 Grad zu beiden Seiten. Alles was jetzt nicht niet- und nagelfest gestaut war lernte fliegen. Es krachte und rumpelte mächtig im Schiff. Das Kielwasser gurgelt und im Minutentakt schlugen wild gewordene Wellen an die Bordwand. Mit gerefften Segeln machten wir immer noch zwischen 6 und 8 kn Fahrt. Schnelle Fahrt ist gut, aber je schneller die Fahrt, desto anstrengender das Leben an Bord. Katrin ging es zum Glück gut, sie hatte dank Vomex Zäpfchen keine Probleme mit Seekrankheit. Am 2. Tag war endlich der lang ersehnte Fisch an der Angel. Es war wohl ein ziemlich großer Brocken, denn nach kurzem Kampf gab das mit 41 kg belastbare Vorfach auf und das „Fischlein“ verschwand mit meinem selbstgebauten Köder im Atlantik. Nun wusste ich aber wie es geht. Also noch einen Köder gebaut und die Bruchlast des Vorfaches erhöht. Es dauerte nicht lange und wieder ein Biss. Es war eine Goldmakrele, genau richtig für  4 Personen. Was wir da gefangen hatten, war schon von Weitem gut zu erkennen. Die Fische tagen ihren Namen wirklich zu recht. Die gold glänzenden Seiten der Makrele waren wirklich beeindruckend. Leider verlieren sie ihre Farbe nach dem Töten sehr schnell. Aber kein Wunder, das würde uns nicht anders gehen. Wir veranstalteten ein ziemliches Blutbad auf dem Achterdeck, aber die Reinigung mit Seewasser folgte prompt. Nachmittags begann dann die Fischkochschule an Bord. Nach Katrins Anweisungen bereitete ich zum ersten Mal einen gedünsteten Fisch zu. Sie blieb derweil lieber im Cockpit an der frischen Luft. Die Zubereitung war eine akrobatische Leistung besonderer Art. Denn Töpfe, Schüsseln, Zutaten und alles andere wollten ja auch mal gern durch die Kajüte fliegen und ich war der, der das zu verhindern suchte. Jedenfalls schmeckte die Makrele uns anschließend  vorzüglich. Nur mit den Gräten waren wir natürlich äußerst vorsichtig, denn hier draußen durfte keine im Hals stecken bleiben.

Zu Beginn des 5 Tages drosselten wir unsere Geschwindigkeit, um nicht nachts in Mindelo anzukommen. Mit rund 5 Knoten Fahrt wurde es erheblich ruhiger an Bord. Das wurde auch Zeit, denn wir waren körperlich schon ziemlich ausgelaugt. Morgens genehmigten wir uns noch eine Frischwasserdusche im Cockpit, da der Wassertank noch halb voll war. Ich reinigte gleich noch das Bedienteil des neuen (ein Jahr alten) Autopiloten mit Frischwasser um die Salzkristalle abzuwaschen. Schlechte Idee, wie sich später herausstellte. Die eigentlich wasserdichte Bedieneinheit zog plötzlich Wasser und das Display beschlug von innen. Bei genauerer Untersuchung fiel mir ein kleiner Spalt zwischen Displayglas und Rahmen auf, der da sicherlich nicht sein durfte. Die Verklebung muss sich irgendwann gelöst haben. Schnell versuchte ich noch den Spalt trocken zu legen, aber es war wohl schon zu spät. Das Bedienteil meldete eine erste Störung und schaltete dann den Autopiloten ab. Da baut man für einen Haufen Geld teure Technik ein und dann passiert DAS! Zum Glück hatte ich bei der Installation eine Rückfallebene vorbereitet. Den 20 Jahre alten Autopilot hatte ich nämlich drin gelassen und musste jetzt nur die 4 Drähte des Linearantriebs (das Teil das das Ruder bewegt) auf das alte System umklemmen. Nach einer Stunde liefen wir wieder unter Autopilot. Immerhin hätten wir sonst noch 24h Ruder gehen müssen. Keine schöne Vorstellung, so müde wie wir waren.
Eines stand fest: Frank musste nächste Woche ein neues Bedienteil mitbringen, egal wie. Ich rief ihn gleich per Satellitentelefon an und gab ihm alle erforderlichen Daten durch. Ein paar Stunden später kam die prompte Antwort von ihm. Das neue Bedienteil wird morgen versendet. Helfer in der Not war dabei wieder mal Sören, der mir schon den Ruderquadranten besorgt hatte. Danke für eure schnelle Reaktion. Übrigens gibt es ein Buch mit dem Titel „Wir reparieren uns um die Welt“. Was der Autor uns damit sagen wollte, ist der alte Spruch der Blauwassersegler: Alles was kaputt gehen kann, geht auch irgendwann kaputt.
Aber eigentlich haben wir doch jetzt mal eine Pause verdient, oder?

Die sechste Nacht auf See war wegen unserer reduzierten Geschwindigkeit etwas erholsamer und pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir die Inseln.
Unser Anker fiel gegen 9 Uhr auf 4m Tiefe in der Lagune vor der Stadt. Es gab erst einmal ein köstliches Frühstück und während meine Crew das Schiff wieder in einen ordentlichen Zustand versetzte, fuhr ich mit dem Beiboot an Land und erledigte die Einklarierung.
Unsere schwedischen Bekannten waren mit ihrer „Aura“ (32 Fuß)  am Abend vor uns eingelaufen. Lars erzählte mir, dass seine Frau 6 Tage lang schwer seekrank war. Das Wenige, was sie zu sich nahm, brachte sie wieder heraus. Sie muss verdammt gelitten haben. Für seine Frau und seine kleine Tochter ist damit die Atlantiküberquerung  hier zu Ende. Sie buchten sich einen Flug zuerst zurück nach Stockholm und im Januar nach Tobago, um in der Karibik wieder zuzusteigen. Mit der Seekrankheit ist es halt wirklich eine Plage und die ist international.

Hier in Mindelo gefällt es uns derweil recht gut. Die Temperaturen sind angenehm und es weht ständig ein kräftiger NE Passat. Mücken waren hier noch nicht zu verzeichnen. Kein Wunder bei 30 kn Wind auf dem Ankerplatz. Unser Windgenerator produziert zusammen mit den 3 Solarzellen genügend Strom, um auch mal länger am PC sitzen zu können. Über WiFi (WLAN) haben wir auch Internet an Bord und so sind wir also ganz und gar nicht von der Welt abgeschnitten.

Die Stadt empfinden wir als sehr angenehm. Der Menschenschlag ist kreolischer Abstammung und daher von Grund her freundlich. Neben Portugiesisch und Französisch wird auch Englisch gesprochen und so kommen wir hier recht gut zurecht.
Bevor Frank am Montag hier ankommt, haben wir aber auch noch einiges zu tun. Es muss noch einiges nachgebunkert werden, vor allem Obst und Gemüse, aber auch Wasser, Kraftstoff und Brot. Auch unsere Süßigkeiten, die entscheidend für die Nachtwachen sind (Nervennahrung) scheinen etwas knapp bemessen worden zu sein.  Aber auch und gerade dazu sollte der Zwischenstopp ja dienen. Schon vor 200 Jahren wurde Mindelo von den europäischen Segelschiffen angelaufen, um für die Fahrt in die neue Welt noch einmal Proviant an Bord zu nehmen.
Am Dienstag werden wir dann noch das neue Bedienteil einbauen (Frank hat es schon bekommen) und dann hält uns nichts mehr auf, die verbleibenden 2000 sm in Angriff zu nehmen.

Wünscht uns Glück, wir können es gebrauchen!

 

Seid lieb gegrüßt von der Taras-Crew