Bericht 23

Sonntag, den 07. Februar 2010
Fort de France, Martinique, Caribic

Nun sind doch wieder 2 Wochen vergangen seit ich mich das letzte Mal ausführlich gemeldet habe. Wir sind momentan ja eigentlich in Europa. Martinique gehört nämlich zu Frankreich und damit zur EU. Hier wird übrigens so wie bei uns in Euro gezahlt und die Supermärkte verdienen endlich wieder ihren Namen, man bekommt die gesamte europäische Palette, allerdings zu ziemlich hohen Preisen. Aber die Karibik ist ohnehin kein Niedrigpreisrevier.

Am 24. Januar haben wir Falk in St Vincent erwartet. Wir hatten ihm einen „Inselhopper“ gebucht, mit dem er von Martinique dorthin kommen sollte. Morgens klingelte aber erstmal mein Telefon. Falki rief vom Flughafen in Martinique aus an und meinte er könne dort ohne die Einklarierungspapiere der Taras nicht einchecken.  Da er nur einen Oneway Flug hatte, wollte die Behörden auch sicher gehen, dass er nicht in St Vincent hängen bleibt. Ich hatte nun die ehrenvolle Aufgabe, innerhalb einer knappen Stunde meine Klarierungspapiere nach Martinique zu faxen. Da wir am Anker lagen und die nächste Stadt nur mit dem Taxi erreichbar war, wieder mal eine Herausforderung. Ich besorgte mir noch eine Mailadresse vom Flughafen in Martinique und warf dann unsere holländischen Freunde von der SY Nebulae aus den Kojen. Hier war nämlich alles vorhanden, was notwendig war, ein Scanner und eine stabile Internetverbindung. 30 min später waren die Clearencepapers bei Falk und er konnte einchecken. Unser Dank an die Holländer kam in Form einer Einladung zum Abendessen um Katrins Geburtstag nachzufeiern. Dazu segeln wir mit Falk zurück nach Bequia und machen uns einen schönen Abend. Am Tag darauf klarieren wir aus und segeln Richtung Norden um einen Zwischenstopp auf St. Vincent zu machen. Auf dem Weg kreuzen ein Grindwal und ein paar große Delfine unseren Weg. Für Falk genau der richtige Einstieg in dem tropischen Revier.
 In den meisten Handbüchern wird davor gewarnt den nördlichen Teil der Insel anzulaufen. Es gab in der Vergangenheit diverse Fälle von Diebstahl, Raub und Piraterie. Dementsprechend vorsichtig fahren wir in die Chateaubelair Bay im Nordwesten der Insel ein. Außer uns liegen hier nur noch 2 weitere Yachten. Die Bucht ist zwar etwas schwellig, aber ansonsten sehr schön gelegen. Zwei Einheimische auf alten Surfbrettern kommen ans Boot. Sie bekommen von uns kleine Geschenke und rücken zufrieden wieder ab. Danach werden wir in Ruhe gelassen. Der kurze Landgang ist sehr entspannt, obwohl man dem Ort und seinen Bewohnern die Armut ansieht. Für die Nacht  ordne ich die höchst mögliche Sicherheitsstufe an. Die Kajüte wird von innen verriegelt. Die Luken mit Leinen so gesichert, dass sie nicht weit zu öffnen sind. Meinen elektrischen Weidezaun schalte ich ein und gebe damit auf die Badeplattform und die Reling eine Spannung von ca. 10.000 Volt. Jeder der schon Mal an einen Weidezaun gefasst hat, weiß das diese Spannung für den Menschen zwar ungefährlich,  aber doch ziemlich schmerzhaft ist. Von der Badeplattform springen hin und wieder blaue Blitze ins Wasser, dass macht Eindruck. Natürlich passiert nachts ganz und gar nichts und wir segeln am Morgen danach nach Santa Lucia. In Fieux Fort ganz im Süden der Insel klarieren wir ein und genießen den schönen Strand auf der Atlantikseite der Insel, ein Paradies für Wind- und Kitesurfer. Ich tauche auch noch zum Propeller und montiere eine neue Zinkanode auf der Welle. Die beiden alten Anoden (vor der Reise neu) haben sich innerhalb von 9 Monaten völlig aufgelöst. Das Unterwasserschiff wird mit einem Plastikspachtel gereinigt. Es ist zum Glück nur Algenbewuchs dran. Die Felder mit bis zu 3 cm Entenmuscheln, die wir nach der Atlantiküberquerung am Schiff zu hängen hatten, fühlen sich hier scheinbar nicht so wohl.
Bein Einklarieren lerne ich ein Französisches Ehepaar kennen. Sie sind auch für ein Jahr unterwegs und haben für die Strecke Kanaren-Karibik 30 Tage gebraucht. Das ist wirklich heftig. Da wir um die gleicher Zeit zurücksegeln werden, wird man sich bestimmt noch mal treffen.
Von Fieux Fort aus geht es entlang der Küste und vorbei an den beiden Bergen petit und grande Piton. Es sind die Wahrzeichen der Insel und bilden eine tolle Kulisse. Einen Schnorchelstopp machen wir in der Anse Cochon einem wenig besuchten Ankerplatz, so schreibt das erst 2 Jahre alte Handbuch. Innerhalb der 2 Stunden unseres Besuches landen 4 Riesenkatamarane an und kippen etwa 100 bis 150 Tagestouristen an den Strand. Trotzdem sind die Riffe zum Schnorcheln sehr schön. Abends gehen wir in der gut geschützten Marigot Bay vor Anker. Sofort werden wir wieder von Einheimischen besucht die uns Souvenirs, Obst, Gemüse oder Taxifahrten verkaufen wollen. Auf der Yacht vor uns  ist ein Hund an Bord und die Boatpeople machen einen großen Bogen um das Schiff.
Weiter geht’s zur Rodney Bay, dem Zielort der ARC (Atlantic Ralley Cruisers). Es sind nur 7 Meilen aber die haben es in sich. Es wehen  6 bis 7 Windstärken genau von vorn und es hat sich eine unangenehme See aufgebaut. Auch die Atlantikdünung erreicht uns hier schon und so kreuzen wir mühselig 2 Stunden unter gerefften Segeln auf.
In der Rodney Bay gönnen wir uns nach knapp 2 Monaten auf See oder am Anker wieder mal einen Platz in der Marina. Das letzte Mal lagen wir Anfang Dezember auf den Kap Verden so luxuriös.  Erstaunlicherweise kostet die Liegegebühr uns umgerechnet 16 Euro. Das ist weniger  als in Vitte auf Hiddensee. Strom und Wasser müssen allerdings extra bezahlt werden.
Zusammen mit den Holländern mieten wir einen Kleinbus und fahren einen Tag über die Insel. Wir gönnen uns ein Bad in einem der Wasserfälle und besuchen die wilde und touristisch wenig erschlossene Ostküste der Insel.  Katrin gibt abends noch 2 Taschen Wäsche zur Wäscherei. Wir fragen nicht nach dem Preis, weil wir annehmen, das die Dame von der Wäscherei in der Marina kommt. Später stellen wir fest, das das nicht der Fall ist und so bekommen wir am nächsten morgen die Wäsche zwar frisch gewaschen zurück, aber selbige soll nun statt 90, satte 180 EC Dollar (50 Euro)  kosten. Nach einer kurzen Diskussion gibt sie sich dann doch mit 90 EC zufrieden.

Die knapp 30 sm nach Martinique werden wieder sehr anstrengend. Hoch am Wind und unter gerefften Segeln poltern wir von einem Wellental ins andere. Der Crew geht es aber gut und das ist das Wichtigste. In der Bucht Le Marin gehen wir vor Anker und können sehr unkompliziert am PC einklarieren. Hier kann ich endlich mein gebrochenes Kutterstag ersetzen. Den Draht und die Terminals hatte ich ja schon. Jetzt fehlte nur noch ein Rigger zum Aufwalzen eines Terminals. Auch meine Tauchflasche kann ich hier füllen und die leere Campinggasflasche tauschen. Ein Einkauf im „Leader Price“ dem hiesigen Aldi oder Lidl, entspannt unsere knappe Vorratshaltung an Bord. 
Auf dem Weg nach Fort de France halten wir noch an einem weiteren Tauchspot. Eine riesige Wasserschildkröte begrüßt uns am Ankerplatz. Später beobachten wir sie noch als wir schnorcheln. Zwei an die Küste geworfene Segelyachtwracks zeugen davon, dass es hier nicht immer so friedlich zugeht. Beim Fotografieren der Unterwasserwelt leckt mein wasserdichtes Gehäuse vom Fotoapparat und so wird auch meine kleine Kamera ziemlich schnell zum Wrack. Abends treffen wir uns noch mit den Holländern am Strand zum BBQ (grillen). Wir nehmen die Gitarre mit und es wird ein sehr lustiger Abend.
In Fort de France nehmen wir uns für ein  Tag ein Auto und fahren zunächst durch den Regenwald. Wir wandern ein kurzes Stück bis zu einem kleinen Bach in dem kristallklares Wasser fließt. Später besteigen wir noch den Montagne Pelee, der erloschene Vulkan ist mit 1400m zugleich der höchste Berg der Insel. Nachmittags gönnen wir uns noch das Rum-Museum hier können einige der Exponate auch gleich verkostet werden. Kurz vor  Sonnenuntergang erreichen wir noch das Chateau Dubuc. Abends lädt uns Falk zum Essen ein.

Leider ist nun die Zeit mit unserem Falki auch schon wieder um und so geht es für ihn am Samstag Abend von hier aus über Paris zurück nach Deutschland. Mit zurück nimmt er aber nicht nur Erinnerungen an einen tollen Familienurlaub in der Karibik. Er hat sich mit Iris, der 18jährigen Tochter von John und Heleen angefreundet. Schauen wir mal, ob sie im Kontakt bleiben. Wir würden uns jedenfalls sehr darüber freuen, denn sie ist ein nettes und lebensfrohes Mädchen.

Wir lassen uns jetzt übrigens wieder ein wenig mehr Zeit. Unser nächster Termin ist erst Anfang Mai auf Antigua. Wie heißt es hier so treffend:

Relax man, you are in the Caribbean now!

Es grüßt euch eure

Taras Crew

PS: Die ersten beiden Bilder sind noch eine Nachlieferung aus den Tobago Cay, das letzte soll vor allem Christoph mit seinem neuen Boot Mut zu „Meer“ machen!