Bericht 24

Freitag, den 19. Februar 2010
Prince Rupert Bay, Dominika

Bevor es noch mehr Beschwerden der Familie gibt, habe ich nun doch schnell wieder zum Stift, bzw. in die Tastatur gegriffen. Es sind ja auch schon wieder ein paar Tage vergangen, seit dem Falki uns verlassen hat. Viel weiter sind wir ehrlich gesagt noch nicht gekommen, aber momentan haben wir es ja auch nicht eilig.
Eine ganze Woche sind wir noch in Martinique geblieben, der Grund war natürlich der große Karnevalsumzug in Fort de France am Faschingssonntag, den wir nicht verpassen wollten. Vorher waren wir noch in verschiedenen Buchten, um ruhiger als in FdF zu liegen und um einige Reparaturen zu erledigen. Unser neues Schlauchboot beginnt sich nämlich aufzulösen und so musste es wieder zusammengeklebt werden. Die Mehrzahl der Yachtis schwört hier auf Carib-Schlauchboote. Die sind der UV Strahlung, dem Salzwasser und der Hitze wohl besser gewachsen als die Europäischen oder chinesischen Produktionen. Auch zwei Belegklampen (aus Kunststoff) am Großbaum mussten ersetzt werden. Die UV-Strahlung hatte auch hier ganze Arbeit geleistet.
Zwischendurch überrede ich meine Familie noch zu einer kleinen Wanderung durch die Natur. Wir wandern quer über eine kleine Halbinsel zur nächsten Ankerbucht. Bei über 30 Grad im Schatten wird das Ganze sehr anstrengend, aber wir finden viele Pflanzen darunter sogar Mahagonibäume.
Der Karneval in FdF war natürlich was fürs Auge. Da wir in Deutschland ja so was kaum mitgemacht haben, fehlen uns die Vergleiche. Trotzdem denken wir, das der Umzug nicht nur von der Dauer her, (nach 3 Stunden hatten wir genug) großartig war. Bei der Sonne war das Ganze vor allem für die Karnevalisten bestimmt sehr anstrengend, denn in einigen der Kostüme hätte man selbst in Deutschland beim Umzug geschwitzt.

Am Rosenmontag segelten wir nach St. Pierre, das liegt im Norden der Insel. Die Stadt wurde im Jahr 1902 durch den dortigen Vulkan Mont Pelee komplett zerstört. Fast alle der 30.000 Einwohner sind damals ums Leben gekommen. Ironie des Schicksals: Einer der wenigen Überlebenden war ein zum Tode verurteilter Häftling, der zum Zeitpunkt des Unglücks in seiner gut gesicherten Zelle auf seine Hinrichtung wartete. In einem kleinen Museum können Gegenstände angeschaut werden, die nach der Katastrophe geborgen wurden, u.a. die Kirchenglocke und geschmolzene Gläser. Auch viele Ruinen sind noch stille Zeugen des Ausbruchs. Auf der Reede vor der Stadt sind zudem 16 Schiffe, darunter Dampfer und Kabelleger, die dem Vulkan zum Opfer gefallen sind. 12 der Schiffe sind jetzt Ziele von Tauchern. Heute hat die Stadt nur noch 5000 Einwohner und erreichte nie wieder die wirtschaftliche Bedeutung wie vor der Naturkatastrophe.

Mit Martinique verlassen wir nun die Windward-Islands und erreichen mit Dominica die Leewards. Wir merken es am Wind ganz deutlich. Richtung Norden segeln wir nun nicht mehr gegen an, sondern meist halbwinds. Auch ist die durchschnittliche  Windgeschwindigkeit hier um einiges geringer.

Dominica wurde von Kolumbus auf seiner 2. Westindienreise an einem Sonntag entdeckt. Daher der Name der Insel. Er soll die Insel damals nicht einmal betreten haben. Zu dicht war der Urwald und zu gefährlich die Wilden. Die Ureinwohner Dominicas haben ihre Insel in der Tat noch bis zum Ende des 18. Jhd. verteidigt.
Wir gönnen uns einen Overnight-stop in Roseau, der Inselhauptstadt. Ankern ist hier schlecht möglich, da die Küste steil auf über 100m Wassertiefe abfällt. Leider sind alle Mooringtonnen belegt oder aber erscheinen uns zu unsicher, so dass wir doch auf unser gutes Ankergeschirr vertrauen und eine recht ruhige Nacht verbringen. Zum Einklarieren ist es hier schon zu spät und Overtimegebühren wollen wir nicht bezahlen. Tags darauf erreichen wir die Prince Rupert Bay und klarieren erst einmal ein. Dem Beamten vom Customs verheimliche ich lieber unseren Overnightstop und erzähle ihm, dass wir Nachts in Martinique gestartet sind. Er muss es glauben und gibt mir schließlich die Clearence Papiere.  
Nachmittags verholen wir uns vor den Coconutbeach und sind dort tatsächlich mal allein an dem tollen Strand. Unsere holländischen Freunde meinten mal zu uns, wenn man am Strand jemanden tiefe Löcher buddeln sieht, sind das meistens Deutsche (wahrscheinlich üben die das Buddeln von Schützengräben).  Das wir auch anders können beweisen wir mit anderen Kunstwerken. Aus Kokusnüssen bauen wir uns einen Beachman und eine Beachwomen. Sehen toll aus ,oder!? Anschließend muss noch eine der Nüsse dran glauben, schmeckt echt lecker.
Später lernen wir „Dede“ kennen, er ist einer der Boatboys und ein ausgebildeter Guide. Wir machen in seinem Boot eine Tour zum Indian-River. Für Fans der Filme „Fluch der Karibik“ wie uns, ein Muss. Hier wurde ein Stück vom 2. Teil gedreht. (Die Szene in der die Crew von Jack zur  Hütte von Calypso fährt). Im Fluss darf nur gerudert werden und so hat „Dede“ einen schweißtreibenden Job.  Unterwegs zeigt er uns nicht nur die genaue Stelle wo die Hütte stand, sondern auch Fische, Krebse, Vögel und Pflanzen wie Zedern, Riesenfarne, Gummi- und Mahagonibäume.
Die Flusseinfahrt zum Indian River hatten wir übrigens schon einen Tag vorher vergeblich gesucht. Seit einem Jahr liegt das Wrack eines im Sturm gestrandeten Küstenfrachters direkt vor der Flussmündung. Kein Wunder, dass die Suche erfolglos blieb.
Gestern Abend haben wir die Crew einer französische Yacht wieder getroffen, die so wie wir für ein Jahr unterwegs sind. Morgen werden wir zusammen eine Inseltour machen. „Dede“ hat schon ein Auto incl. Fahrer organisiert. Wir wollen u.a. zum Indianerreservat. Dort leben die letzten richtigen Ureinwohner der Insel. Wir sind schon sehr gespannt und werden euch berichten.

Es grüßt euch eure

Taras Crew