Bericht 25

Donnerstag, den 4. März 2010
St. Maarten, Leewards, Karibik

Eigentlich sollten es auf Dominica nur 3 Tage werden, aber irgendwie kamen wir nicht so richtig los und blieben eine Woche. Am 2. Tag unseres Aufenthalts in der Prince Rupert Bay trafen wir die Franzosen Lionel und Nataly wieder. Wir waren uns schon mal kurz in Grenada und später auf St. Lucia begegnet, wo wir spontan Bilder von dem jeweils anderen Boot beim Segeln gemacht hatten. Jetzt lagen wir als plötzlich nebeneinander vor Anker und konnten endlich die Bilder austauschen. Wir organisierten dann auch gleich noch eine 7 stündige Inseltour mit dem Taxi. Winston, unser einheimischer Fahrer sprach englisch und französisch, was  die Verständigung  sehr vereinfachte. Die Franzosen habens im allgemeinen ja nicht so mit der englischen Sprache.
Winston bringt uns zunächst in die Berge. Das Dominica zu den niederschlagreichsten Gebieten der Erde gehört (bis zu 10000mm/Jahr) sieht man hier deutlich. Viel von dem fruchtbaren Land wurde kultiviert: Bananenplantagen, Kakao, Ananas, Grapefruits, Kaffee und natürlich Kokospalmen werden hier angebaut. Auf der Atlantikseite zeigt uns Winston einen roten Felsen direkt am Meer. Red Rock Heaven wird das Gebiet genannt und steht unter Naturschutz. Der Felsen schob sich während eines Erdbebens aus dem Meer. Überhaupt segeln wir hier auf tektonisch recht unruhigem Gebiet. Die Plattengrenze der sog. Karibische Platte verläuft genau entlang der kleinen Antillen und reibt sich sowohl an der Nordamerikanischen, als auch an der Südamerikanischen Platte. Auf Höhe des Monserrat stoßen alle drei platten zusammen. Der Vulkan Soufriere auf Monserrat ist noch heute sehr aktiv. Dazu aber später mehr.
Weiter geht unsere Inseltour durch das Reservat der Kariben-Indianer. Die Nachkommen der Ureinwohner Dominicas leben hier seit gut 100 Jahren. Das Carib- Territory wurde ihnen 1903 von einem britischen Verwalter der Insel zugesprochen um die Kultur vor dem Verschwinden zu bewahren. Die Kariben-Indianer leben von der Landwirtschaft und vom Kunsthandwerk. Einiges wird an der Straße zum Verkauf angeboten.
Winston zeigt uns auch den neuen Flugplatz der in einem Monat eingeweiht werden soll. Es können zwar nur Inselhopper darauf landen, aber man hofft hier sehr endlich etwas mehr vom Tourismusgeschäft abzubekommen.
Auffallend ist, dass es auf Dominica scheinbar keine Mülltonnen bzw. Müllcontainer gibt. Die Müllsäcke werden, so Winston,  an den Straßenrand gestellt und einmal pro Woche eingesammelt und zur Deponie gefahren. Dass das nicht immer gut funktioniert ist deutlich sichtbar.  Auch stehen sehr viele Autowracks an den Straßenrändern. Das Problem kennen wir aber schon von den griechischen Inseln. Schrottplätze gibt es nicht und die Wracks mit der Fähre abzutransportieren ist schlicht zu teuer. 
Nachmittags geht es für uns noch durch den Regenwald und zum Baden zu einem Wasserfall. Wir genießen die willkommene Frischwasserbadewanne. Unseren beiden Süd-Franzosen ist es aber deutlich zu kalt und sie schauen lieber zu.
Zurück an Bord geht gerade Big Bully bei uns vor Anker. Wir hatten mit Henning und seiner Familie auf Tobago schon zusammen Silvester gefeiert. Jetzt ist Christian, der 25 jährige Sohn als Skipper mit Freunden unterwegs. Abends treffen wir uns beim BBQ im Big Papas Restaurant wieder und trinken Rumpunsch zum frisch gegrillten Fisch und Fleisch. Neben uns am Tisch feiern 8 Finnen, sie sind mit einer 35 Jahre alten Swan 65 hier angekommen. Sie gehören alle einem Segelverein an und die Swan ist das Vereinsschiff. Im Sommer Ostsee und im Winter Karibik, so ist für jedes Vereinsmitglied was dabei. Später lernen wir noch Vladimir aus Moskau kennen. Er hat für 14 Tage eine Yacht gechartert und ist wie wir das erste mal in der Karibik. Woher er das Geld für den Urlaub hat? Er ist als Physiker in einem Institut in Moskau beschäftigt. Das Geld für den Urlaub verdient er aber im „Finanzgeschäft“, mehr verrät er nicht.
Am Tag darauf bunkern wir Wasser. Wir brauchen 200 Liter für den Tank. An der Dorfstraße entdecken wir einen Wasserhahn, wo auch die Einheimischen ihre Kanister und Krüge füllen. Die Kanister schleppen wir von der Dorfstraße zum Dingy-Anleger und von dort zum Boot. Eine tagesfüllende Beschäftigung. Zum Glück ist das Wasser sehr sauber. Eigentlich wollen wir dann los, aber prompt bekommen wir eine Einladung auf die „Passagemaker“. Sie gehört Peter, einem Engländer der seit über 30 Jahren in Trinidad lebt. Die Passagemaker ist ein aus Teakholz gebauter Segelkutter von 50 Fuss Länge und wiegt 32 Tonnen. Kein Wunder, denn die Planken sind 5 cm dick und sämtliche Scheiben sind aus schusssicherem ein Zentimeter dickem Glas. Sämtliche Beschläge, die Relingstützen und sogar der Kiel sind aus Bronze. Der Kutter wurde 1968 in Singapur gebaut hat u.a. 5 Atlantiküberquerungen hinter sich. Peter meinte, den Kutter vor allem wegen seines Maschinenraumes gekauft zu haben. Ich als alter Schiffsingenieur war begeistert von der Größe und Zugänglichkeit. Luise, seine Freundin ist 30 Jahre jünger als er und kommt aus Südafrika. Sie ist mit einem anderen Boot von Kapstadt nach Brasilien gesegelt und will jetzt noch ein bisschen mehr von der Welt sehen. 
Am 23.2. reißen wir uns nun doch los und segeln zu den Iles de Saintes. Sie gehören zu Guadeloupe und sind damit französisch.
Der Wind hier in den Leewards lässt immer mehr zu wünschen übrig, wir sind froh noch gut zwei Drittel der Strecke segeln zu können. Der Besuch des Forts Napoleon wird zu einer sehr Schweiß treibenden Angelegenheit. Der kühlende Passatwind ist nun gänzlich eingeschlafen und natürlich geht’s Berg auf. Im Burgmuseum erfahren wir einiges über die „Battle of the Saintes“. Einer Seeschlacht zwischen den Erzfeinden Frankreich und England, bei der Admiral Rodney im Jahre 1778 die französische Flotte vernichtend schlug.

Weiter geht’s für uns nach Guadeloupe. Es wird Zeit, dass wir wieder mal einen Supermarkt finden, denn unsere Vorräte sind so ziemlich erschöpft. Ohne Wind motoren wir an Basse-Terre der zweitgrößten Stadt der Insel vorbei. Katrin entdeckt mit dem Fernglas dann auch tatsächlich einen „Leaderprice“ direkt an der Uferstraße, einen der großen französischen Supermarktketten. Also auf zum Großeinkauf. Einen geschützten Hafen gibt es hier allerdings nicht in der Nähe.  Taras ankern wir in sicherem Abstand zum Ufer und zur Brandung und suchen uns mit dem Beiboot einen halbwegs sichern Platz zum anlanden. Mit dem vollen Einkaufswagen kommen wir später auch tatsächlich bis auf ca 30m an unser Dingy heran und so hält sich die Schlepperei in Grenzen.
Einen Zwischenstopp zum Schnorcheln legen wir im Marinepark von Jacques Cousteau ein. Der Französische Meeresforscher hat hier ein Schutzgebiet anlegen lassen, in dem die Korallenbänke zum Glück noch nicht so stark zerstört sind. Einen weiteren Stopp gönnen wir uns in der Bucht Anse Deshaies. Hier gibt es einen der attraktivsten Botanischen Gärten der Inseln. Für uns ist er auch wegen seiner kurzen Entfernung zur Bucht interessant. Wir brauchen kein Taxi und laufen die knapp 2 km bis zum Eingang. Vorher wandern wir noch ein Stück den Fluss Deshaies hinauf, um ein Frischwasserbad zu nehmen. Leider sind das Flussufer und sämtliche Felssteine die aus dem Fluss schauen eintönig grau. Der über 30 sm entfernte aktive Vulkan auf der Insel Montserrat hat sich am 10. Februar dieses Jahres wieder mal geregt und eine riesige Aschewolke ausgespuckt. Leider gab es seit dem noch keinen Regen, so dass die graue Schicht sogar auf Obst und Gemüse auf dem Markt zu finden ist. 

Ein aktiver Vulkan ist zwar nicht ganz ungefährlich, zieht uns aber auch gewaltig in seinen Bann. Plymouth die ehemalige Hauptstadt der Insel wurde durch die Ausbrüche von 1995 und 1997 völlig zerstört und teilweise unter 10m dicker Asche begraben. Die gesamte Südhälfte der Insel ist Sperrgebiet. Die Bevölkerung verringerte sich in den letzten 15 Jahren von ca. 13.000 Einwohnern auf nur noch 3000. Im Norden der Insel wurde eine neue Stadt und ein neuer Flughafen gebaut. Ein Seehafen soll im nächsten Jahr entstehen. Grund genug für uns, uns das Ganze mal aus der Nähe anzuschauen. Im Internet finde ich auf der Seite des Montserrat Vulcano Obsevatory  Infos zum momentanen Gefahrenlevel. Er steht auf 3 von max. 5 Stufen. Das westliche Ufer ist für die Passage bei Tageslicht noch freigegeben. 
Zum Glück haben wir wieder mal Wind und erreichen bereits am frühen Nachmittag die Südspitze der Insel. Die Segel bergen wir hier sicherheitshalber und verschließen alle Luken. Um was zu sehen von der ehemaligen Hauptstadt müssen wir westlich an der Insel, also in Lee vorbei. Die Staubwolken vor uns sind auch nicht zu übersehen. Wir gehen bis auf eine halbe Meile ans Ufer heran. Was wir sehen ist erschreckend und faszinierend zu gleich. Die Ascheflüsse vom Vulkan bis zur See sind schon von Weitem zu erkennen. Dort, wo einst Plymouth war, ist die Insel bis zu einem halben Kilometer ins Meer gewachsen. Der Stadtteil der im Tal lag ist so wie die Hafenanlagen  gänzlich unter der Asche verschwunden. Die Stadtviertel an den Hängen sind noch gut zu erkennen aber einheitlich grau, so wie alles in der Umgebung: Bäume, Felder, Straßen und Gärten. Bis auf die graue Schicht sieht vieles noch unversehrt aus. Minuten später wissen wir warum hier keiner mehr wohnen kann. Der Gestank nach Schwefel ist ja fürchterlich. Langsam legt sich ein grauer Schleier auf Boot. Hoffentlich sind die Fotos was geworden, denn jetzt ist alles um uns herum grau. Mit Vollgas fahren wir durch die Wolke und erreichen etwas grau, aber unversehrt die Nordseite der Insel. Ganze 3 Boote liegen hier vor Anker. Eines davon kennen wir gut, es ist die Passagemaker mit Peter und Luise. Wir verbringen eine lustigen Abend miteinander.
Am nächsten Morgen klarieren wir ein und bekommen für 35 EC Doller schöne Kleeblattstempel in unsere Pässe. Per Taxi fahren wir zum Vulkan Observatorium  von hier kann man den Vulkankegel recht gut erkennen, wenn er mal nicht in eine Wolke gehüllt ist. In einem 20 minütigen Film können wir die Geschichte der Insel der letzten 20 Jahre miterleben.
Bei einer Eruption schleuderte der Vulkan in wenigen Stunden 13 Millionen Kubikmeter Asche aus seinem Krater. Da die Wolke sich dann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h bewegt hätten wir wohl kaum eine Chance schnell genug weg zu kommen. Nach 4 Stunden sind wir wieder auf unserem Schiff und gehen Anker auf. Der Liegeplatz ist sehr unruhig geworden, es läuft starker Schwell in die offene Bucht. Alle anderen Segler sind bereits am Morgen verschwunden.
Wir nehmen Kurs auf das 90 sm entfernte St. Maarten. Dort läuft seit gestern die Heinekenregatta. Mitsegeln werden wir wohl nicht mit unserem viel zu schweren Langfahrtschiff, aber mitfeiern auf jeden Fall. Morgen früh werden wir wohl da sein und euch hoffentlich diesen Bericht senden können.

Es grüßt euch eure

Taras-Crew