Bericht 27

Freitag, den 19. März 2010
Tortola, British Virgin Islands (BVI), Karibik

Die BVI ist die westlichste Inselgruppe die wir hier in der Karibik für uns entdecken wollen. Anschließend geht es langsam wieder zurück über St. Maarten nach Antiqua.
Die knapp 90 sm von St. Maarten bis nach Virgin Gorda waren Bilderbuchsegeln. Ein feiner Passatwind brachte uns eine durchschnittl. Geschwindigkeit von 6,4 kn. Für ein voll gepacktes Fahrtenschiff sehr beachtlich. Wir konnten sogar der Bavaria 42 von unseren holländischen Freunden ein paar Meilen abnehmen. Danach meinte John, dass wir doch ein ziemlich schnelles Schiff hätten. Die Holländer haben wir auf St. Maarten wieder getroffen. Hier auf den BVI werden sich unsere Wege nun endgültig trennen, da sie weiter Richtung Florida segeln wollen.
Das Einklarieren auf Virgin Gorda war für mich der bisher aufwändigste Papier- und Formularkrieg in den West Indies. 7 Formulare (mit jeweils 3 Kopien) mussten an 3 verschiedenen Schaltern (Immigration, Customs, Police) ausgefüllt werden. Die Einträge waren immer die gleichen. Angaben zu den Personen, zum Schiff, woher, wohin, wann angekommen. Aber auch das war irgendwann geschafft und der Weg in die Inselwelt war frei für uns.
Die BVI sind ein Paradies für Taucher, Schnorchler und durch die feinen Sandstrände auch super zum Sonnen und Baden geeignet. Zum Segeln sind sie höchstens ein Revier für Einsteiger. Die Strecken zwischen den Inseln sind so kurz (ca. 5 sm), dass sich das Segelsetzen manchmal kaum lohnt. Im Bereich des Francis Drake Channels segelt man zudem wie auf einem Binnensee, von Atlantikdünung keine Spur. Das alles hat scheinbar aber auch seinen Preis. Gaststätten und Bars sollte man sich als Langfahrtsegler verkneifen. Die Marinas und Yachthäfen ohnehin. Unter 40 USD gibt’s da keine Plätze für unsere Größe. Selbst für eine Mooringtonne werden 25 USD abkassiert. Zum Glück haben wir ein gutes Ankergeschirr und so liegen wir auch in weniger geschützten Buchten recht sicher.

Einen Tag verbringen wir auch Salt Island. Die Insel war früher von Farmern bewohnt und ist heute unbewohnt. Die Häuser, Gärten und sogar der Friedhof sind noch da. Auch einige Tiere, wie Hühner und Ziegen wurden zurückgelassen. Das Leben auf so einer Insel muss aber auch verdammt hart gewesen sein. Alle Baumaterialien wurden per Boot herangeschafft, Wasser aufgefangen und Strom selbst produziert und wenn man Pech hatte wurde einem beim nächsten Hurrikan alles wieder genommen was man aufgebaut hatte.  Wir bedienen uns im verwilderten Garten und ernten ein paar Papayas und Kokosnüsse.
Vor Salt Island sind wir zum Wrack der RMS Rhone geschnorchelt. Es liegt auf 10 bis 15 m Wassertiefe und ist recht gut zu betrachten. Der britische Postdampfer wurde Ende Oktober 1867 von einem Hurrikan überrascht und beim Versuch freien Seeraum zu erreichen auf die Felsen von  Salt Island geschleudert. Der 2500 BRT Dampfer sank mit 125 Menschen an Bord.
Am Tag davor hatten auch wir eine kleine Havarie an Bord, die wenn wir nicht an Bord gewesen wären zu wahrscheinlich zu einem Totalschaden geführt hätte. Wir waren gerade Anker auf gegangen und steuerten aus einer Bucht auf Virgin Gorda als unser neuer, vor der Reise gekaufter Inverter, der aus 12V  220 V machen kann, anfing zu schmoren. Innerhalb von Sekunden stieg schwarzer Qualm auf  und im Gerät begann es zu brennen. Ich schaltete den Hauptschalter aus und riss das gesamte Gerät an seinen fingerdicken Kabeln aus der Halterung. Das gab einen Adrenalinschub vom Feinsten. Bleibende Schäden am Boot haben wir zum Glück nicht, den Ruß unterm Kartentisch konnte ich abwischen und auf St. Maarten gibt es ja 2 große Ausrüster......
Heute sind wir nun auf Tortola und haben an der Westküste eine wenig besuchte Ankerbucht gefunden. Da sie in keinem der einschlägigen Führer beschrieben ist, ist sie wohl auch so leer. Wir genießen es jedenfalls. Pelikane stürzen sich ins Wasser um sich satt zu fressen und wir schnorcheln in Schwärmen von Millionen kleiner Fische die hier wohl als Dinner herhalten müssen. In dem Gewusel von Jäger und Gejagten schwimmen Barakudas, Rochen und andere Jäger dicht an uns vorbei.
Abends ist der Strand menschenleer und wir treffen uns zum BBQ (grillen) am Beach. Die sogenannten „No-see-hims“, absolute Minimoskitos, winziger als Eintagsfliegen sind zuerst ein Plage. Wir kämpfen mit Mückenmittel und Zigarilloqualm gegen an. Zum Glück verschwinden sie eine Stunde nach Sonnenuntergang.  Die Fahrt zurück zu unseren Schiffen wird noch ein wenig tricky. Wir können in der mondlosen Dunkelheit die heranrollenden Wellen nicht beobachten und schwups wird Johns schweres Schlauchboot mit dem 15 PS Außenborder glatt überspült und muss gelenzt werden. Das Leben hier kann schon anstrengend sein.......

 

Es grüßt euch eure

Taras-Crew