Bericht 28

Karfreitag, den 2. April 2010
St. Maarten, Leewards, Karibik

Der Familie und all unseren Freunden wünschen wir ein frohes und nicht zu kaltes Osterfest, einen fleißigen Osterhasen und denen die an ihren Booten übers Fest schuften, auch mal eine Pause (mit oder ohne Osterwasser).
Wir haben zwischenzeitlich unseren Abstecher zu den British Virgins beendet und liegen wieder auf der französischen Seite von St. Maarten. 
Auf den BVI besuchen wir noch die Insel Jost van Dyke, benannt nach einem berüchtigtem holländischen Piraten. Im Great Habour gehen wir vor Anker und erreichen mit den Koordinaten: 18° 25´ Nord und  64° 45´ West den westlichsten Punkt unserer gesamten Reise. Das ist natürlich ein Grund zum Feiern und wir treffen uns abends mit vielen anderen Fahrtenseglern in „Foxys“ berühmter Beachbar. Hier haben sich schon ganze Generationen von Fahrtenseglern und Urlaubern mit ihren Flaggen, Wimpeln, Tshirts oder mit einem Basecup verewigt. So ist das Holzdach von Foxys Bar kaum noch zu erkennen. Aus alter Verbundenheit und weil dort die Wurzeln unseres Seglerlebens liegen, spenden wir einen Vereinsstander des Yachtclub Diensdorf.
Einen Tag später verabschieden wir uns von den Holländern, mit denen wir einige Zeit zusammen gesegelt sind. Sie müssen weiter Richtung Westen und wollen in diesem Jahr noch bis nach New York segeln.
Wir verbringen noch einige Tage auf den Jungferninseln und sind mehr im Wasser und am Strand als an Deck. Wir müssen ohnehin auf einen schwachwindigen Tag warten, an dem wir gegen den Passatwind zurück nach St. Maarten motoren können. Am 28.3. ist es so weit und wir starten gegen 16 Uhr um die 85 sm zurück zu fahren. Die Wettervorhersage spricht von 8 bis 10 kn Wind bei 1,5 m Welle, das sollte gehen. Auf der Luvseite der Inseln erwarten uns dann allerdings 15 kn Wind und wir setzen Segel um nach Südosten zu kreuzen. Einen Großteil der Nacht laufen wir unter Segel und Maschine hoch am Wind mal nach Südost und mal nach Nordost. Die Nacht wird anstrengend und wir sind froh nach 20 Stunden in der Marigot Bay auf St. Maarten vor Anker gehen zu können.
Nach langem Überlegen haben wir uns nun doch entschieden unsere Taras für einige Tage an Land zu stellen und das Unterwasserschiff zu überholen. Die Algenbärte werden immer länger und wir haben schließlich noch über 6000 sm zu segeln bis nach hause. Auch der Rumpf muss mal gereinigt und neu mit Wachs versiegelt werden. Unsere Lust darauf hält sich bei den hiesigen Temperaturen in Grenzen. Ich hatte schon vor 2 Wochen mehrere Angebote zum Kranen und abstellen des Bootes eingeholt und wir haben uns eine Werft mit Travellift ausgesucht, die auf den ersten Blick einen guten Eindruck machte. Am Abend vor dem Krantermin treffen wir einige Deutsche beim Sundowner die hier z.T. schon viele Jahre leben und sich in der Szene bestens auskennen. „Was dort wollt ihr rausgehen? Tut das nicht! Der Manager ist ein Gauner schlimmster Sorte. Duschen haben die dort auch nicht und die Toilette ist eine Katastrophe. Außerdem gibt es dort Moskitos ohne Ende wegen der vielen Erdlöcher auf dem Gelände in denen sich Süßwasser  sammelt.“
Also disponieren wir noch um auf die kleine Boatyard „Time out“. Dort gibt es allerdings nur einen Kranwagen und einen 5 Meter langen Plastikponton am Ufer der Werft an dem das Boot festgemacht werden soll. Sieht alles nicht sehr Vertrauen erweckend aus. Trotzdem glauben wir den Deutschen, die uns diese Werft empfohlen haben und werden nicht enttäuscht. Sehr professionell wird unsere Taras am folgenden Tag an den Kran gehängt. Der hat beim herausheben zwar ganz schön zu tun (der Kranfahrer schätzt unser Gewicht auf 12 Tonnen), setzt uns dann aber sehr behutsam an Land. Ein mit Verbrennungsmotor betriebener Hochdruckreiniger wird uns zur Verfügung gestellt und nach einer Stunde ist der Algenteppich vom Unterwasserschiff verschwunden. Einen Tag und 5 Liter Antifouling-Farbe später macht unser Schiff wieder einen guten Eindruck. Katrin und Julius Reinigen, Polieren und Wachsen derweil, bis der Rumpf wieder so aussieht, wie er im Frühjahr auszusehen hat (jedenfalls bei durchschnittlichen deutschen Eigner). Am Gründonnerstag geht es wieder zurück ist Wasser, denn Ostern wollen wir nicht auf dem Trocknen verbringen. Die Krangurte werden vom Personal sogar mit dicker Folie umwickelt um keine Spuren von den Gurten am Rumpf zu hinterlassen. (Sollte man in Greifswald auch mal einführen!)
Zurück im Wasser fällt die Anspannung von uns ab und wir sind zufrieden mit der gelungenen Arbeit. Abends treffen wir uns mit unseren französischen Freunden Natalli und Lionel, die wir schon auf St. Lucia kennen gelernt hatten.
Gut 2 Wochen haben wir jetzt noch Zeit für den Weg nach Antigua. Am 15. April startet dort die Antigua Classic Week. Für Freunde hölzerner Boote und Schiffe ein Termin der im Programm nicht fehlen darf.

Es grüßt euch eure

Taras-Crew