Bericht 29

Mittwoch, den 14. April 2010
St. Kitts, Leewards, Karibik

Wieder liegen drei weiter Inseln der Karibik in unserem Kielwasser. Inseln von denen wir hörten, die könnt ihr getrost auslassen. Wir fuhren trotzdem hin und waren zum Teil sehr angenehm überrascht.
Vorher lernten wir auf St. Maarten noch eine deutsche Familie kennen. Anita und Klaus sind mit ihrem Katamaran, einer neuen Lagoon 50 auf Weltumsegelung. Ihre beiden Kinder verstanden sich mit Julius auf Anhieb und sorgten dafür, dass wir uns noch einige Male wieder trafen. Sie sind eigentlich in Bayern zu Hause und mussten wegen unseres strengen Schulsystems extra ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, um die Kinder selbst unterrichten zu dürfen. Jetzt fahren sie die Flagge der British Virgin Island am Heck. Das sie noch nie dort waren und wir gerade von dort kamen, konnten wir ihnen noch einige Hinweise für ihr neues zu Hause geben. Unser gemeinsames Ziel am Ostersonntag war St. Barth. Die Insel gehört zu Frankreich und wird das St. Tropez der Karibik genannt. Die Insel wurde von Kolumbus auf seiner 2. Reise entdeckt und er gab ihr den Namen seines Bruders, St. Barthelemy. In St. Barth dürfen keine Kreuzfahrtschiffe anlegen oder ankern. Daher existiert hier kein Massentourismus und es geht alles beschaulicher zu. Da die Insel eine Zeit lang den Schweden gehörte, hört die Hauptstadt auf den Namen Gustavia. Auf der Reede vor Gustavia lagen allerdings Yachten die durchaus unter dem Begriff Kreuzfahrtschiff laufen sollten. Nur waren sie halt privat, auch wenn sie um die 100 Meter Länge maßen. Als wir ankamen startete zufällig die erste Edition der St. Barth Regatta. Mit 23 Yachten am Start war das Feld sehr übersichtlich. Leider passten wir in keine der Klassen, denn es wurde lediglich unterschieden in Megayachten, Klassiker, Mulithulls und Racer.  So wie das Regattafeld waren auch die Partys am Abend sehr exclusiv und eigentlich nichts für den gemeinen Yachti.
Uns zog es da lieber nach St. Eustatius, ein der holländischen Antillen. Vor der Überfahrt lernten wir noch Bernd von der Traumjäger kennen. Er hat von seiner Familie ein Jahr frei bekommen und ist einhand mit seinem Kat in die Karibik gesegelt. Er musste die Hälfte der Trans-Atlantik Strecke von Hand steuern, weil ihm sein Autopilot ausgefallen war, alle Achtung!
Heizi, auf der Überfahrt hatten wir zwei gute Bisse auf der Schleppangel, beide Male habe ich aber umsonst gekämpft, die Burschen konnten sich kurz vor ihrem Ende befreien. Wahrscheinlich lag es daran, dass Katrin keine Lust auf Fisch hatte und ihre magischen Künste mit Erfolg angewandt hat. Nun, die Fische waren jedenfalls froh darüber.
Statia, wie St. Eustatius kurz genannt wird, gefiel uns von Beginn an. Statt 150 Yachten wie in St. Barth schaukeln hier lediglich 3 Boote vor der Stadt. Am Ankerplatz lernen wir Gesina und Leo kennen, sie kommen aus der Schweiz und wollen mit ihrer Sonate Ovni 41 um die Welt. Wen es interessiert, der kann unter www.seluna.ch mal nachschauen. Lieber Marcus kannst du das verlinken??
Wenn man Statia besucht, sollte man nicht nur den Hauptort Oranjestad anschauen, sondern auch eine Wanderung zum und in den Vulkan The Quill einplanen. Der rund 600 Meter hohe Vulkan ist ein tolles Revier zum Wandern. Wir starten morgens um 7.30 Uhr um vor der größten Hitze den Aufstieg geschafft zu haben. Auf dem Kraterrand genießen wir einen herrlichen Ausblick über die Insel. Julius und ich steigen später noch hinab in den Krater, dort hat sich ein richtiger Regenwald etabliert. Wir finden Banyam Bäume, Schlangen, Einsiedlerkrebse und jede Menge Eidechsen.
Natürlich treffen wir auf dem Vulkan die Schweizer wieder. Es sind zwar nicht die Alpen aber Berg ist Berg und für Schweizer wohl ein Stück Heimat.
In Oranjestad lernen wir noch einen holländischen Regierungsbeamten kennen. Die holländischen Antillen sollen nämlich neu geordnet werden. Während Saba, Statia und Curacau stärker ans Mutterland gebunden werden sollen, will man Aruba, Bonaire und St. Maarten mehr Unabhängigkeit gönnen. Später machen Julius und ich auch noch eine Tour mit unseren Bordfahrrädern über den flachen Teil der Insel.  Wir besuchen die Reste der alten Verteidigungsanlagen, die die Bewohner allerdings nicht wirklich schützen konnten, da man schon damals am Baumaterial und am Sold für die Soldaten gespart hatte. So wechselte die Insel innerhalb von 150 Jahren ganze 23 mal ihre Besitzer. Einen Namen machte sich Statia als Umschlagplatz kriegswichtiger Güter für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von England. Das war wohl auch der Grund warum der englische Admiral Rodney (siehe St. Lucia) die Insel im Jahr 1781 für die englische Krone einnahm und zur Plünderung freigab. Tja, raue Sitten waren das damals, da hat die heutige europäische Union doch ein paar unschlagbare Vorteile.
Beim Schnorcheln rund um unser Boot entdecken wir eine ziemlich großen Schiffshalter. Das sind Fische die sich ans Unterwasserschiff hängen und mitreisen. Am Tag darauf sind es schon drei denen unser neuer Antifoulinganstrich zu schmecken scheint. Ich greife zum Enterhaken und vertreibe die Bande, sollen sie doch wo anders lutschen gehen.
Die Überfahrt nach St. Kitts wird ruppig. In der Düse zwischen den Inseln haben wir  bis zu 35 kn Wind. Wir kämpfen uns Meile für Meile gegenan. Eine Stunde spät ist der Spuk vorbei und wir segeln hinter den Bergen von St. Kitts gut geschützt bis nach Basseterre. Kolumbus gab der Insel bei seiner Entdeckung eigentlich seinen eigenen Vornamen und so hieß sie viele Jahrhunderte St. Christopher. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Kurzname St. Kitts durchgesetzt.
Die Hauptstadt hat doch tatsächlich einen kleinen Yachthafen und da auch hier ein ziemlicher Schwell in die Bucht läuft, gönnen wir uns 2 Tage in der Marina. Die Stadt ist schön aber auf Kreuzfahrtschiff-Tourismus ausgelegt. Am Tag darauf liegen dann auch 2 riesige Schiffe an der Pier und die gut präparierte Einkaufsmeile füllt sich schlagartig mit Touristen. Rund 30 große Juwelierläden werben um die Gunst der gut betuchten Kunden. Taxifahrer verkaufen Inseltouren und Souvenirläden haben Hochkonjunktur. Wir flüchten uns in die Touristeninformation, um möglichst preiswert zum Fort George zu kommen. Dort treffen wir zwei andere Paare die die gleiche Idee haben und so mieten wir zusammen ein Großtaxi, das uns für 10 US Dollar pro Person hin und zurück bringt.
Das Fort, gebaut auf dem Brimstone Hill war im Jahr 1782 Austragungsort eine der größten Seeschlachten die es in der Karibik je gegeben hat. Eine Französische Seestreitmacht griff die englische Insel mit 32 Kriegsschiffen  und 8000 Soldaten an.  Nach wochenlangem Kampf ergaben sich die Engländer. Kurze Zeit später wurden die siegreichen Franzosen allerdings wieder von der Insel vertrieben. Auf unserer Tour lernen wir Kevin und Jessica aus Oregon (USA) näher kennen. Wir laden sie Abends zu uns an Bord ein und erfahren eine Menge aus den uns noch unbekannten Vereinigten Staaten.

In den nächsten Tagen geht’s für uns nach Antigua, das wohl letzte Highlight der Karibik auf unserer Reise.

Bis dahin seid lieb gegrüßt von eurer

Taras-Crew