Bericht 30

Mittwoch, den 24. April 2010
Antigua, Leewards, Karibik

Antigua haben wir vor einer Woche nach fisch- und windreicher Überfahrt erreicht. Ja Heinzi, es hat wieder mal geklappt. Der erste war zu klein und wir wussten auch nicht was es für einer war, aber der zweite ist ein Bonito und der dritte eine Makrele gewesen. Zusammen ungefähr 5 kg Fisch. Auf Antigua wurde erstmal gebraten und danach sauer eingelegt. So hatten wir für 5 Tage leckeren Fisch. Katrin hat zum Schluss gestreikt und wir haben dann ein paar Steaks gekauft.

Antigua ist schon ein richtiges Segler-Mekka, vor allem wenn man rechtzeitig zur Antigua Classik Week ankommt. Die Ankerplätze in Falmouth- und English-Habour waren zwar ziemlich voll, aber irgendwo gibt es für so kleine Boote wie die Taras immer noch ein Plätzchen. Hier trafen wir auch gleich alte Bekannte wieder. Die Crew der Big Bully (mit ihnen hatten wir Silvester in Tobago gefeiert) hatte uns schon erwartet und  im Schlepptau hatten sie Gerd von der Unique Dream, mit ihm waren wir auf den Kap Verden zusammen und er ist danach einhand über den Atlantik nach Trinidad gesegelt (er ist jetzt 67 Jahr alt!). Neu kennen gelernt haben wir dann noch Eric und Monika aus Österreich. Sie sind mit ihrer Aaroha auf Weltumsegelung. So waren wir dann also zu acht und haben diverse Abende zusammen verbracht. Gesprächstoff geht in solchen Runden eigentlich nie aus. Jeder fand seinen eigenen Weg über den Atlantik und das mit den unterschiedlichsten Booten und den verschiedensten Philosophien. Bis auf Gerd stehen alle noch im Arbeitsleben und müssen früher oder später wieder in das zivile europäische Leben zurückkehren. Später lernen wir noch Peter kennen, er segelt mit seiner Hanseat Commodore (41 Fuss)  meist einhand und hat schon 3 Atlantikschleifen hinter sich. Im Frühjahr zu den Azoren, im Herbst Kanarische Inseln und im Winter in die Karibik, so lässt es sich als Rentner gut leben. Allerdings berichtet er uns auch von seinem Mastbruch in der Biskaya bei 40 kn Wind. Solche Erlebnisse gehören dann wohl oder übel auch dazu, wenn man ein solches Leben führt.

Nun aber zurück zur Classik Week. Tommy, das ist ein Treffen klassischer Yachten vom Feinsten. Wir dürfen sogar 3 J-Class Yachten bewundern. Unter ihnen die Velsheda und die Ranger. Die rund 30 m langen Rennyachten aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts werden unter Regattabedingungen mit mindestens 24 Mann Besatzung gesegelt. Immerhin müssen teilweise über 1000 m² Segeltuch beherrscht werden. Noch größer als die J-Cass Yachten sind noch ein paar Maxi-Yachten mit über 40 m Länge. Die meisten dieser viele Millionen Dollar teuren Luxusschlitten sind aber komplett restauriert worden und mit sehr effektiven Masten und Segeln ausgestattet. Aber auch ehemalige Arbeits- und Fischerboote sind in eigenen Klassen um die Wette gesegelt. Das kleinste Boot war eine Art Drachen ( ca.  9 m langes Segelboot) und wurde mit 3 Mann Besatzung gesegelt. Morgens wanderten wir zu den Klippen vor English Habour, um die Starts sehen zu können. Abends war dann meist irgendwo an Land der Seglertreff zum Sundowner bei waschechter Steelband Musik. Hier treffen wir auch einige der Atlantikruderer wieder, nach einigen Monaten auf See haben die meisten von ihnen es geschafft von La Gomera hier anzukommen.

Zusammen mit den anderen Crews machen wir noch eine Inselrundtour mit dem Kleinbus. Interessant sind die ehemaligen Zuckerrohrplantagen und die dazugehörigen, heute meist verfallenden Gebäude wie Mühlen, Speicher und Produktionshallen.  Abends bekommen wir noch Besuch besonderer Art am Ankerplatz. Eine Delfinfamilie und ein ziemlich großer Mantarochen schwimmen mitten durchs Ankerfeld. Mit Taucherbrille und Kamera schwimme ich dem Rochen hinterher, die Bilder werden in dem trüben Wasser allerdings nur mäßig.

Am 19. April waren wir dann eigentlich mit Ruth hier verabredet, Julius hat sich auch schon sehr auf seine Oma gefreut. Der Vulkan auf Island hat ihren Besuch leider verhindert. Aber Rutchen, die Hälfte der Crew kommt ja in wenigen Tagen nach Hause und die Hitze ist momentan auch für uns ziemlich anstrengend, der Passatwind ist nämlich eingeschlafen. Ich hoffe, dass er spätestens Anfang Mai wieder aufwacht, denn dann geht es für Lutz, Otti und mich noch mal auf die große Reise. Ca. 2400 sm zu den Azoren, das wird unsere Beschäftigung im Mai werden. Momentan sind wir dabei unser Schiff wieder startklar zu machen. Die Wartungen sind größtenteils erledigt. Vor allem muss noch gebunkert werden. Diesel, Wasser, Kochgas, Lebensmittel, Getränke, Verbrauchsmittel wie Batterien für die Taschenlampen, Klopapier , Zahnpasta.....und und und. Da es auf unserem Weg zu den Azoren mit Supermärkten schlecht aussehen wird, sollten wir halt an alles denken.

Morgen gönnen wir uns noch einen Abstecher nach Barbuda  bevor es dann nach dem Crewwechsel für mich und meine beiden Freunde ernst wird.

Es grüßt euch eure

Taras Crew