Bericht 32

Montag, den 31. Mai 2010
Horta, Faial, Azoren

Es regnet! Eigentlich haben wir schon seit unserer Ankunft hier schlechtes Wetter. Der heutige Tag schein aber die Krönung des Ganzen zu sein. Seit gestern Nachmittag regnet es nun ununterbrochen. Bis auf ein paar kleine Leckagen ist die Taras aber dicht. Nur die Persenning über dem Cockpit hält den Wassermassen nicht mehr stand und hat sich in eine Tropfsteinhöhle verwandelt. Landgang sinnlos, die Klamotten bekomme ich sonst vorerst nicht mehr trocken. Also abwarten und Berichte schreiben. Wobei untätig war ich nicht seit dem Otti und Lutz abgeflogen sind. Die Maschine musste überholt werden, Ölwechsel, alle Filter wechseln, Impeller der Wasserpumpe checken, Getriebeöl...... und schon waren 5 h weg. Dann musste noch die Dieselheizung repariert werden. Die tut es jetzt auch wieder. Alle anderen Arbeiten sind draußen zu erledigen und müssen warten.

Otti und Lutz sitzen derweil schon wieder in ihren warmen Büros und lassen die Reise sicherlich noch mal Revue passieren. Zu Dritt hatten wir noch einen lustigen Abend im Cafe Sport und lernten dort zwei Portugiesen, einen aus Madeira und einen von den Azoren kennen. So konnten wir noch viel über ihr Leben auf den Inseln erfahren.
Otti bleibt zum Glück noch bis Samstag. So können wir Taras am Tag darauf noch an einen neuen Liegeplatz fahren. Kein Päckchen liegen mehr, Strom und Wasser am Steg. Lothar der hiesige Stützpunkleiter des Trans-Ocean kommt uns besuchen und wir trinken zusammen Kaffee. Er lebt seit 25 Jahren hier und erklärt uns das Wetter der Azoren. Mai ist wie November oder Dezember, also Winter. Wir brauchen uns also nicht zu Wundern über den grauen Himmel und die hiesigen Temperaturen.
Nachmittags besuchen wir das Scrimshaw Museum über dem Cafe Sport. Hier werden Potwahlzähne gezeigt, die von Seeleuten der Walfangschiffe bemalt bzw. graviert wurden. Auch heute wird diese Tradition noch fortgesetzt und wir bekommen die Adresse eines hier lebenden Künstlers. Einige der Zähne sind mit den Porträts von Seglerlegenden bemalt. Wir erkennen Montesier, Tabarly und Chichester. 
Abends geht für uns beide noch mal ist Cafe Sport, dort lernen wir ein schwedisches Paar aus Stockholm kennen. Sie laden uns fürs nächste Jahre auf ihre Insel ein. Wir bekommen noch einen Tipp für unsere für morgen geplante Inselrundfahrt. Wir sollen in Luzys Restaurant im Nordwesten der Insel einkehren.
Einen Tag später sitzen wir schon im für 37 Euro incl. Vollkasko gemieteten Auto und fahren langsam über die Insel. Die Insel ist grün soweit das Auge reicht. Leider ist das bei dem diesigen Wetter nicht wirklich weit. Die Küsten sind wild. Sie fallen Steil in den Atlantik ab und es gibt hunderte Höhlen an den tosenden Ufern. Im Westen der Insel sehen wir den ehemaligen Leuchtturm von 1896 er wurde vor rund 50 Jahren außer Betrieb genommen, weil sich ein Berg vor seine Latüchte geschoben hatte.  Dieser Berg begann 1957 aus dem Meer zu wachsen, getrieben von einem unter dem Wasser liegenden Vulkan. Der Vorgang dauerte einige Jahre und das neue Land überragt den Leuchtturm deutlich. Nur bewachsen ist das neue Stück der Insel noch nicht. Das wird wohl noch ein paar Jahrzehnte brauchen. In einem neu erbauten Zentrum werden uns die Geschehnisse der letzten 50 Jahre mit Bildern, Filmen und aufwändigen Animationen näher gebracht.
Jetzt haben wir Hunger und finden im Regen und Sturm doch tatsächlich Luzys Restaurant. Are you Luzy? Sie nickt ganz irritiert und bittet uns in die gute Stube. Die Karte ist handgeschrieben auf Portugiesisch. Luzy spricht zudem keine andere Sprache. Also lassen wir uns überraschen. 1. Gang Morzarella mit Chili und Brot. 2. Gang Karoffel-Möhren-Kürbissuppe, sehr lecker. 3. Gang: je 2 Schweinesteaks mit Reis, Pommes und Salat. Zum Schluss noch Espresso und dazu reichlich Getränke. Langsam lassen wir uns danach ins Auto rollen. Was für ein Prasnick. Ach so, gekostet hat das Ganze 21 Euro für beide! Die Azoren sind toll, wenn nur das Wetter besser wäre!
Kurz vor Horta besuchen wir noch John van Upstal. Ein Holländer der hier seit 25 Jahren lebt und die Kunst des Bemalens von Potwalzähnen beherrscht.   Seine Adresse bekamen wir vom Museum. Die rohen Zähne werden zunächst poliert und dann mit chinesischer Tinte schwarz gefärbt. Anschließend wird das Bild mit einer scharfen Nadel eingeritzt. Danach wird der Zahn noch einmal mit Tinte behandelt, so das sich die Gravur schwarz färbt. Zum Schluss wird der Zahn so lange poliert bis er wieder weiß ist. Nur die Tinte in den Ritzen der Gravur bleibt dabei erhalten. John wird seine Kunst in spätestens 2 Jahren aufgeben, dann sind nämlich die Zähne alle und neue sind wegen des Walfangverbotes nicht mehr zu bekommen.
Trotz aller Kunst sind uns die Zähne in den Kiefern der Wale lieber als die auf den Wohnzimmertischen.
Am Tag darauf bringe ich Otti mit unserem Mietwagen zur Busstation bevor ich ihn wieder abgebe.
Vorhin ist übrigens Big Bully eingetroffen. Die Himmelhunde haben nur gut 2 Wochen für die Strecke benötigt. Durchschnittsspeed 7 kn. Nun ist eine neue  Oceanis 46 von Benetau ja auch kein langsames Schiff. Allerdings sind ihnen wohl im Vorschiff die Möbel durch die Gegend geflogen. Jedenfalls können sie nicht mehr die Vorschiffskabine öffnen und müssen nun ein Loch ins Vorluk sägen um so ins Vorschiff einzusteigen. Chris meinte, das Schiff ähnelt innen momentan einer Tropfsteinhöhle. Ein solcher Törn bringt die Sünden der Werft halt schnell an die Oberfläche. Ich bin jedenfalls froh nicht 3 Tage später angekommen zu sein.

 

Es grüßt euch der Skipper der

Taras