Bericht 35

Sonntag den 4. Juli 2010
Loch Tarbert, Schottland

Vor 10 Tagen sind Katrin und Julius mit schwerem Gepäck wieder aufgestiegen. Im Gegensatz zu Ryanair hat man bei German Wings beim Wiegen des Gepäcks aber beide Augen zugedrückt.  Allein meine Ersatz-Unterwante (für alle Nichtsegler, das sind die Dinger die den Mast halten), hat schon 4 kg auf die Wage gebracht. Den Schaden an der Wante hatte ich noch in Irland beim Checken des Riggs entdeckt. 3 der 10 Kardeele waren gebrochen. Die 8mm Wante war 15 Monate alt. Mal sehen was mein Rigger in Greifswald dazu sagt!

In Familie ging es noch einmal nach Dublin zum Stadtbesuch und anschließend nach Nordirland. In Ardglass einem kleinen Fischerort ohne touristischen Rummel fanden wir einen ebenso kleinen Boothafen. Der Hafenmeister gab uns den Tipp, das Fußballspiel Deutschland- England lieber im dortigen Golfclub anzuschauen. Die Pubs wären sehr voll und man weiß nie wie die Reaktionen sind, sollte Deutschland gewinnen. So strichen wir also sicherheitshalber unsere Nationale am Heck und pilgerten zum Golfclub. Wir bestellten 2 Guinness und setzten uns still in eine Ecke. Dann fiel das erste Tor für Deutschland und...........ungefähr 90 Prozent der Leute im Club fingen an zu jubeln. Wie jetzt? Haben wir oder die was falsch verstanden? Als beim 2:0 für Deutschland die Hurra Rufe noch lauter wurden tauten wir auch langsam auf. Hier saßen scheinbar die reaktionären Nordirländer, die mit dem Mutterland nicht viel am Hut haben. Daher der Tipp vom Hafenmeister!
Den Besuch von Belfast haben wir uns geschenkt. Nach verschiedenen Aussagen soll die Stadt aufgrund des Bürgerkriegs nicht sehr attraktiv sein. Wir ankerten einen Nacht vor Orlock Point und segelten dann weiter nach Schottland. Vorbei an der berühmten „Mull of Kintyre“ segelten wir durch den Kilbrannan Sound bis nach Loch Ranza, einer kleinen Bucht auf der Nordseite der Insel Arran. Hier  liegen seit kurzer Zeit Mooringtonnen aus, die für ein kleines Entgelt genutzt werden können. Da der Ankergrund stark mit riesigen Unterwasserfarnen zugewuchert ist, liegt man an der Tonne besser als vor eigenem Ankergeschirr.
Wir besuchen das kleine Castle und die Distillery der Insel, unsere erste in Schottland.
Das schöne Wetter verabschiedet sich jetzt mit einem ersten Sturmtief vom Atlantik kommend. Der Wind pfeift mit 8 Bf von den Hügeln der Insel hinunter. Unser Schlauchboot haben wir wie in der Karibik seitlich am Rumpf befestigt. In einer 40 kn Bö hebt es ab und die 60 kg Boot mit Motor donnern gegen eine Relingstütze die mit lautem Krachen nachgibt. Einen Tag später ist wieder eine Reparatur mit Epox-Harz fällig. Mit dem Bus machen wir noch eine Inselrundfahrt bevor es nach Loch Tabert zur Halbinsel Kintyre geht. Hier dürfen wir das nächste Sturmtief abwettern.  Das Seegebiet vor der Schottischen Westküste heißt „Malin“ dort schreibt das Navtex Gerät was von „Storm Force 10“. Da warten wir doch lieber noch  ein wenig und machen hin und wieder kleine Wanderungen durch die Natur. Vor allem die Vogelwelt kann hier entdeckt werden. Neben Basstölpeln, Kormoranen und etlichen Möwenarten sind auch Austernfischer und Puffins zu entdecken.

Seid lieb gegrüßt von der

Taras-Crew.