Bericht 35

Sonntag den 11. Juli 2010
Caledonian Canal, Schottland

Die Schottischen Kanäle haben uns inzwischen fest im Griff. Bei dem nassen Schottischen Wetter ist eine Kanalfahrt ja auch recht angenehm. Unseren ersten Kanal erreichen wir nach, wie immer regenreicher Überfahrt von Loch Tabert aus. Es ist der Crinan Canal. Er ist nur 9 sm lang und hat 15 Schleusen. Wir überqueren damit die Halbinsel Kintyre von Ardrishaig nach Crinan. Gebaut wurde er von 1793 bis 1801. Bis auf die beiden Seeschleusen sind die anderen noch selbst und von Hand zu bedienen. Die Schleusentore werden über mächtige Hebel bewegt und die Flutklappen per Kurbel bedient. Julius war als Schleusenwärter im Dauereinsatz und holte sich endlich mal einen anständigen Muskelkater.
Der Tag der Halbfinalniederlage unserer Mannschaft beim Worldcup war für uns in zweifacher Hinsicht ein schlechter Tag. Wir schleusten brav durch den Kanal als sich unsere, erst auf den kanarischen Inseln eingebaute Lichtmaschine des Volvo Penta verabschiedete.    Vor Ort konnte uns niemand helfen und einen „Alternator-Service“ gibt es nur in Campbeltown und in Inverness. Wir beschlossen das Problem bis Inverness zu vertagen. Die 150 sm bis dorthin werden wir sicherlich mit unseren anderen Stromquellen zurechtkommen. Außerdem haben die meisten Häfen ja einen Stromanschluss.
Der Crinan Canal ist übrigens sehr zum Wandern und Fahrradfahren geeignet. Wir entdeckten auf einer unserer Wanderungen Felssteine mit prähistorischen Mustern, die wohl vor etwa 5000 Jahren dort eingekerbt wurden. Sie geben Aufschluss auf die Erstbesiedelung des Inselteils.
Den Crinan Canal verlassen wir über die Seeschleuse und nehmen Kurs auf Oban, einer der größten Städte der Gegend. Einheimische Segler warnen uns vor der Strecke. 6 kn Strömung und gefährliche „Overfalls“ (sich überschlagende Wellen) können den Sound of Jura in einen der größten Wirlepools Europas verwandeln. Zum Glück sind Wind und Strömung mit uns und so wird diese Strecke zu unserer schnellsten auf der gesamten Reise. Wir segeln die 30 sm in 3,5 Stunden. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,6 kn. In Spitzen laufen wir deutlich über 10 kn, das macht Spaß.
In Oban versuche ich noch einmal meine Lichtmaschine wenigstens checken zu lassen. Die 5 Autowerkstätten vor Ort sind dazu aber nicht in der Lage und verweisen auf Inverness.
Die Stadt indes ist wirklich hübsch. Man hat sogar die Fassade eines Kolosseums über der Stadt bauen lassen.
Die letzten 31 sm zum Eingang des Caledonian Canals in Fort William legen wir wieder mal in strömendem Regen zurück. Kurz vor Loch  Linnhe  frischt es richtig auf und bis zur ersten Schleuse begleiten uns von den Bergen nun Fallböen der Stärke 7 bis 8.
In der ersten Schleuse wird unsere Lizenz die wir für 250 Pounds am Crinan Canal erworben haben nur noch auf Gültigkeit gecheckt und dann geht es noch eine achtfache Schleusentreppe bis zum Anleger hinauf. Hier werden wir erstmal 2 Tage liegen bleiben. Von der Plicht aus haben wir einen herrlichen Blick auf den Ben Nevis, der mit seinen 1344 m der höchste Berg Großbritanniens ist. Da das Wetter wahrlich nicht nach Bergwandern aussieht, besteigen wir am nächsten Morgen den Zug nach Mallaig. Natürlich ist das nicht irgendein Zug, es ist die berühmte „Harry Potter“ Dampfeisenbahn. Nun der Zug selbst ist nicht der aus den Filmen, aber die Bahnstrecke ist es sehr wohl. Zwei Mal überqueren wir das tolle Viadukt und fahren auch an dem See entlang, der im 2. Teil der Hauptschauplatz ist. Der Sound der Dampflokomotive ist einmalig und der Geruch auch. In den Tunneln riecht es im ganzen Zug nach Ofenheizung und wenn man den Kopf aus dem Fenster hält, fliegen einem kleine Kohlestücke um die Ohren die unverbrannt aus dem Schornstein schießen.

Zurück in Fort William entdecken wir einen Lidl-Markt und entscheiden uns für einen Großeinkauf, da wir ohnehin ein Taxi zum Schiff nehmen müssen. Der Taxifahrer berichtet ganz enttäuscht, dass er 100 Pounds verloren hat, weil Deutschland im Halbfinale ausgeschieden ist. Trotzdem will er zur EM wieder auf Deutschland wetten, dann werden sie es schaffen.
Das Wetter hält sich bis zum Nachmittag, nur abends laufen wir wieder mal im Dauerregen zum Pub, um unsere Deutsche Elf zum letzten Mal bei der WM spielen zu sehen. Im Pub wird wie gehabt für Deutschland gejubelt, schön diese Sympathie hier für uns zu erleben.

Eine Woche werden wir uns jetzt Zeit lassen um nach Inverness zu kommen. Von dort aus ist dann Nordsee-Segeln angesagt, hoffentlich mit intakter Lichtmaschine.

Seid lieb gegrüßt von der

Taras-Crew.