Bericht 37

Mittwoch, den 21. Juli 2010
Nordsee, 100 sm westlich Thyborön, Dänemark

Schottland liegt hinter und Dänemark direkt vor uns. Die 360 sm über die Nordsee verliefen bisher recht ordentlich. Unser erstes Etmal (Strecke in 24h) fiel mit 150 sm recht hoch aus, so dass wir hoffen mit 2 Nächten auf See auszukommen.  Zum Glück ist es hier um diese Zeit ja nur etwa 7h dunkel, so dass die Nachtwachen damit überschaubar sind.

Die 8 Tage Caledonian Canal haben uns richtig Spaß gemacht. Nicht nur die Gegend ist wie aus dem Märchenbuch, auch die Menschen sind hier alle furchtbar nett, hilfsbereit und überaus freundlich. Nur das Wetter war das ganze Gegenteil von dem in Deutschland zur selben Zeit. Regen gab es täglich und meist auch reichlich, aber das konnte unsere Begeisterung für Schottland kaum dämpfen.
Von Fort William aus fuhren wir durch Loch Lochy (Loch steht hier für See) bis zu einem kleinen Anleger mitten im Grünen beim Ort Laggan. Ein idealer Ausgangspunkt für kurze und längere Wanderungen. Ich allerdings schnappte mir am Folgetag meine Lichtmaschine und fuhr mit dem Bus nach Inverness.  Der „Alternator-Service“ wie er hier heißt war schnell gefunden und 2 Stunden später erfuhr ich, dass die Lichtmaschine in Ordnung sei. Ein erster Test ergab keine Beanstandungen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge holte ich die Lichtmaschine wieder ab und fuhr zurück zum Schiff um die Fehlersuche fortzusetzen. Tatsächlich produzierte das Maschinchen wieder Strom, nachdem ich die Trenndiode überbrückt hatte. Also wird es wohl Letztere gewesen sein. (Meiner Messung zur Folge schien sie aber in Ordnung zu sein).

Für uns ging es derweil weiter nach Fort Augustus und von hier aus über das berühmte Loch Ness bis nach Inverness. Mit dem Bus besuchten wir die Ruinen des an Loch Ness gelegenen Urquhart Castle. Die Burg wurde im frühen 13. Jhd. Von Sir  Alan, dem Schwiegersohn des damaligen Königs Alexander der II errichtet.  Ab dem 17. Jhd. Stand die Burg dann leer, da deren Besitzer seinerzeit lieber in komfortableren Schlössern wohnen wollten. Ein Sturm Anfang des 17. Jhd. gab der Anlage dann den Rest und sie verfiel zur Ruine.
Auch dem Loch Ness Center statteten wir unseren Besuch ab, wollten wir doch genau wissen, wo wir Nessie finden können. Gesichtet  haben wir das liebenswerte Ungeheuer ziemlich oft, allerdings nur in Form von Stoff- oder Porzellantieren bzw. in Lebensgröße aus Kunststoff. Loch Ness selbst ist mit seinen 37 km Länge und bis zu 230 m Tiefe das größte Trinkwasserreservoir Schottlands. Die Existenz das Ungeheuers ist aus heutiger Sicht eine reine Legende. Alle Suchexpeditionen blieben erfolglos. Dazu kommt, dass das arme Tier nach wenigen Jahren aus Nahrungsmangel sicherlich verhungert wäre, da sich der Fischreichtum in Loch Ness sehr in Grenzen hält.
Unsere Überfahrt über den See ging eigentlich viel zu schnell. Wir hatten reichlich Wind von achtern und so erreichten wir Inverness schon nach 2,5 Stunden.
Hier besorgte ich eine neue Trenndiode und...... es funktionierte immer noch nicht. Zum Glück konnte ich das Teil gleich wieder zurück in den Laden bringen. Dann muss es halt so gehen bis nach Hause, Ladestrom ist ja da. Es werden nur nicht beide Batteriebänke versorgt.

Inverness selbst eignet sich hervorragend zum Schoppen. Einkaufscenter, Direktverkäufe, Outlet...., alles was das Herz begehrt. Ist doch interessant was man alles gebrauchen kann, nur weil man es sieht. Abends lernen wir noch die Besatzung einer norwegischen Yacht kennen. Sie kommen auch aus der Karibik und sind wie wir auf dem Weg nach Hause. Sie erzählen uns, dass ihr Boot in Fort Augustus vom schottischen Zoll nach Drogen durchsucht wurde. 4 Zollbeamte, 4 Polizisten und 2 Hunde waren an Bord. Gefunden haben sie nichts. Nach der Durchsuchung meinte jemand vom Zoll, sie hätten einen Tipp bekommen und da die Yacht aus der Karibik kam, lag ein Verdacht nahe.
Am Tag darauf verlassen wir den Caledonian Canal und fahren durch die Seeschleuse in den Inverness- Firth. In der Schleuse macht die Ladekontrolllampe der Lichtmaschine wieder auf sich aufmerksam. Doch nicht schon wieder! Also steuern wir kurzerhand die Inverness Marina an, die im Firth liegt. Diesmal liegt es an der fehlenden Erregerspannung. Ich verlege ein neues Kabel samt eigener Kontrollleuchte und nun funktioniert es erstmal wieder.
Unser letzter Hafen in Schottland ist White Hills. Ein kleines Dorf mit noch kleinerem Hafen. Wir haben Mühe uns dort einzufädeln. Noch eine ruhige Nacht bevor es  für uns quer über die Nordsee geht. Im Slalom geht’s an den riesigen Ölplattformen vorbei. Nachts leuchten sie wie kleine Städte und wenn man ihnen zu Nahe kommt, wird man von den Sicherheitsschiffen abgedrängt.
Der Wind hat seit 2 Stunden übrigens auf Ost gedreht und kommt damit so wie der Regen genau von vorn. Hoffen wir, dass das die nächsten 100 sm nicht so anhält.

Donnerstag 22.7.2010, Thyborön

Wir haben Thyborön und damit Dänemark erreicht. Morgens gegen 1 Uhr liefen wir nach 370 sm und 63 Stunden Überfahrt hier in den großen Fischereihafen ein. Der Wind hatte übrigens nach 10 Stunden auf der Kreuz ein Einsehen und drehte auf SW, so dass wir die letzten 50 sm sehr komfortabel segeln konnten. Überhaupt war die Nordsee sehr schonend zu uns. Nie mehr als 4 bis 5 Windstärken und höchstens 1m Welle, das ist auf der Strecke wohl eher selten.

Jetzt fühlen wir uns schon fast wie zu Hause. Die restlichen Seemeilen können wir locker in Tagesetappen planen.

Seid lieb gegrüßt von der

Taras-Crew.